zürich für fortgeschrittene II

Veröffentlicht: März 11, 2008 in kultur, reda, Satire, stil, zürich

ok, ihr habts bis hierher geschafft, nachdem ihr die anfängerkurse und das szeni-bootcamp hinter euch gebracht habt. jetzt gilts ernst. jetzt gehts um freizeit und familie!

freizeit

männer: ihr macht zen-meditation, weil, yoga habt ihr ausprobiert, aber das widerspricht irgendwie eurem inneren spirit. nicht vergessen: INNERER SPIRIT. ihr spielt fussball, aber nur in jeans und nur so mit freunden zum spass, weil ehrgeiz ist pfui. und ihr spielt tischfussball, aber kein billard. tischfussball ja, billard pfui.

frauen: ihr macht yoga. ihr habt pilates ausprobiert, aber das ist irgendwie für hausfrauen und so, und ihr habt ja projekte. ihr macht nicht irgendwo yoga. ihr macht yoga im industriequartier, bei eleonora, die macht so „schlampenyoga“ und da passt ihr mit euren, in ein handtuch gewickelten, dreadlocks besser hin, weil, da ist alles son bisschen locker. irgendwie. natürlich macht ihr auch etwas für die figur, aber heimlich, weil ihr seid zu kuul. und ihr bastelt eigene möbel. ihr könnt mit handwerkszeug umgehen. es MÜSSEN irgendwo eine bohrmaschine und ein oder zwei zangen rumliegen.

familie: als erstes sagt ihr euch von euren bekannten und verwandten in der provinz los. verstosst sie.

nun, ihr heiratet. natürlich heiratet ihr nicht irgendwen. ihr heiratet jemanden, der zu eurem outfit passt. ihr heiratet jemanden, der ein projekt hat. nicht in derselben sparte: seid ihr schreiberlinge, lasst euch mit malern oder musikern ein und umgekehrt.

kinder: euer partner muss im falle von nachwuchs auch an einem dreirädrigen szene-kinderwagen gut aussehen. testet das erst in den einschlägigen läden.  bevor ihr überhaupt an beischlaf denkt, überlegt euch, was eure kinder anziehen sollen. was immer geht sind baggypants mit kapuzenjäckchen, egal ob mädchen oder junge. ihr kauft freitagtaschen in passenden grössen für die ersten wachstumsphasen. wenn ihr soweit ausgerüstet seid, überlegt euch, wie eure kinder heissen sollen. es müssen doppelnamen mit retro-aspekt sein. beispiel: anna-sophia, anna-lena, lena-sophia, oder für jungen gehen auch einzelnamen: sven, finn, max, johannes, oder besser: sven-finn, max-johannes.

so, nun seid ihr bereit für einen nachmittag in der bäckeranlage. und vergesst nicht: DREI küsschen, trinken tut ihr „nuttendiesel“, nicht den blauen prosecco, oder wenn ohne alkohol: gazosa. NICHTS anderes. und bei kaffee: lasst euch nicht mit einem macchiato erwischen. ihr trinkt cafe creme.

so, weiter kann ich euch nicht helfen, jetzt seid ihr auf euch selber gestellt.

sven spielt mit anne-sophie in der bäcki:

backi.jpg

Kommentare
  1. na_ich_wer_sonst? sagt:

    boah ey… ich mag doch aber macchiato soo gerne. bin also schon megaout – tja…
    oder:
    kann mich ja mit den meisten oben erwähnten punkte ganz gut identifizieren 😉 Wenn ich die also voll drauf hab – bin ich dann wieder kuul?? ;))

  2. acqua sagt:

    Wir hier in der Provinz haben ja keine Ahnung, was die Zürcher Tag für Tag an Imagepflege leisten müssen. Danke für den Kurs. Er schafft viel Verständnis und bestimmt auch Akzeptanz.

  3. redder sagt:

    ja, eigentlich sollten wir einen zuschuss von der stadt bekommen

  4. acqua sagt:

    Besser vom Kanton, wegen besserer Verteilung der Zentrumslasten.

  5. Mme Lila sagt:

    Peng.
    Das sass.
    Tami. Ich werde während der nächsten Yogastunde in mich gehen und zuhause alle Freitagtaschen wegwerfen und meiner Tochter den Bindestrich im Namen verbieten.
    Ausserdem muss ich mich vom Musiker trennen. Ja.

  6. redder sagt:

    du hast bestanden. gratuliere. 🙂

  7. […] >>>zürich für fortgeschrittene II […]

  8. Martin P. sagt:

    Klingt sehr nach RonOrp und Wirzürichdeutschen. Schon erstaunlich, was für Parallelgesellschaften entstehen, die sich dann tatsächlich als Szene oder tonangebende Bewegung ansehen. Ich möchte hier jeglicher Polemik ausweichen, aber ihr unterschätzt weitere wichtige Einschläge wie z.B. Ästhetik- und Lebensgefühl der Kreise 1,2,6,8,…(in die ihr euch nie wagt). Erst die machen Zürich zu dem, was es ist und was es schon immer war. Der Neid auf Zürich wurzelt sicherlich nicht in velofahrenden Freitagtaschenträgern. Ihr scheint etwas zu viel ‚Berlin‘ in Zürich auszumachen. Es hat hier nämlich auch sehr viel ‚Paris‘.

    G.

  9. redder sagt:

    äh, ich wohne im kreis 8. ausserdem gabs uns schon vor berlin. zudem nehmen wir uns nicht so ernst. wenn andere uns so ernst nehmen, ist das deren probelm, gell? 🙂

  10. fabio sagt:

    so wahr..heheh…ich wohne auf dem land und bin gerne ein landei

  11. sohnvomsohnvomsohn sagt:

    männer tschutten in der alternativliga wo sie mit dem velo hinfahren und nach dem spiel zusammen ein amboss oder turbinebräu trinken. früher haben sie mal viel zeit an einem jöggelitisch verbracht aber jetzt schon eeewig nüm und die zukunft ist leider nicht mehr nur lässig. der fcz auch nicht, weil jetzt da soviel junges gesocks rumhängt, denen es nur ums erlebnis geht und gar nicht so richtig um fussball schauen und der neue letzi ist schon schön aber halt kein fussballstadion.
    __
    oha. das mit dem jöggelen haben wir schon unter tischfussball abgehandelt. sorry.

  12. Exzürcher sagt:

    Und der Sven kriegt dann zum 3. Geburi so n Velo zum mit den Füssen angeben, aber natürlich nur aus Holz, da pädagogisch wertvoller, und zwar FSC-Holz.

  13. Ruzzz sagt:

    Recht nett geschrieben.

  14. laura sagt:

    ach. deshalb verstehe ich die züricher nicht… aber wie auch, als bemüht angepasster aargauer mit nicht-mal-wohnsitz-sondern-nur-job in zürich. jetzt gehts mir schlecht. danke.

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