traurige liebe

Veröffentlicht: April 15, 2008 in böse, beziehung, bildung, erlebnisse, gender, geschichten, klugscheiss, kultur, leben, liebe, reda, Satire, sex, single, sinn, stil, terror, zürich

es mag sich in diesem blog vielleicht anders anhören, aber ich komme mit all meinen ex-freundinnen sehr gut aus. sagte ich alle? nein, da gibts eine am ufer der themse, die hält mich für den arsch des teufels.

wir hatten uns beim reisen kennengelernt und nicht sofort verliebt. wir waren dann einige wochen in asien zusammen unterwegs, hatten mehr oder weniger guten sex und konnten ziemlich unkompliziert gemeinsam reisen.

zurück in europe, entschieden wir uns, es zusammen zu versuchen. eine fernbeziehung. ich ging immer mal wieder nach london, wo sie lebte und sie kam einige male in die schweiz.

sie nannte zürich hobbit-city, weil ihr hier alles so klein und gut organisiert erschien. ich mein, das geht ja gar nicht!

ich nannte London den arsch der welt, weil alle da so gestresst und unhöflich waren.

nun gut, es stellten sich erste schwierigkeiten ein, weil ich mich gewohnt war, unabhängig zu denken und zu handeln (das hiess nicht fremdgehen, ihr schweine!). und ich konnte mit der englischen beziehungskultur nichts anfangen.

ein beispiel: wenn in unserem englischen freundeskreis ein pärchen schwierigkeiten hatte, dann ging die frau zu ihren freundinnen, und da wurde über den mann gelästert. der mann ging mit seinen kumpeln saufen.

das ist hier ja nicht gross anders, aber! das wars dann. kein gespräch miteinander, kein versuch , etwas zu ändern, keine innerbeziehungskommunikation. bis es ein paar wochen später wieder krachte.

ich bin schweizer, nein, ich bin zürcher. sozialkompetenz ist etwas, dass ich mir von meinen freunden wünsche. von meiner partnerin erwarte.

dinge werden ausdiskutiert, und nochmal, und wieder. und dann von vorne. und ein weiteres mal. bis es einfacher ist, etwas im verhalten zu ändern, als nochmals mit dem gegenüber hinsitzen zu müssen.

das betrifft freundschaften genauso wie liebesbeziehungen. das ist die basis der demokratischen streitkultur. jemanden solange zu langweilen, bis sie dir zustimmt oder du ihr. nur damit endlich ruhe ist

ok, irgendwann meinte ich, dass ich in dieser beziehungsform nicht mehr glücklich bin, und dass ich nun in zürich bleiben werde.

ich reiste dazu extra für zwei wochen nach england. sie versuchte das thema die ganze zeit zu vermeiden und ging dann zu ihren freundinnen, um zu weinen.

wie kann man sich trennen, wenn man nicht zusammen weint? und neben dem weinen, man muss doch auch zwischendurch mal wieder lachen, trotz allem schmerz. ich muss mich über mich selber und meine situation lustig machen können, weil nie alles so schwarz ist, wie es im augenblick erscheint.

am letzten tag wollte sie noch immer nichts davon hören, dass ich nicht zurückkommen werde.

als ich wieder in zürich war, erhielt ich einen brief, in dem sie schrieb, dass unsere zeit eigentlich nie etwas wert gewesen sei, und das ich ein schwein sei.

ich fand das so verletzend, dass unsere ganze geschichte plötzlich nichts mehr wert war, dass ich erst mal sprachlos war. komischerweise liebte ich sie immer noch, auch wenn ich nicht mehr mit ihr zusammen sein konnte.

inzwischen bekomme ich jeden zweiten monat einen brief folgenden inhaltes:

du bist der arsch des teufels und sein seine ranzigen eier kleben in deinem herzen!

natürlich etwas ausführlicher formuliert und begründet. aber ich fühl mich einfach nicht schuldig.

kleines arschloch (ich bin grösser):

Kommentare
  1. na_ich_wer_sonst? sagt:

    hatte vor jahren eine trennung und ich schlug vor, befreundet zu bleiben.
    – schliesslich sollte es doch was geben, was man aneinander gut fand (findet?). ist das nach einer trennung immer weg? es könnte doch dann einfach anders sein und trotzdem gut. oder? –
    jedenfalls meinte er, wenn er mich nicht als freundin haben kann, will er mich auch nicht als freund!
    wenn einer von beiden keine freundschaftliche basis haben kann (oder will), muss man das wohl einfach akzeptieren…

  2. diefrogg sagt:

    Komisch, dass sie Dir immer noch schreibt, obwohl ihre Zeit mit Dir nichts wert war! So aus der Ferne würde Tante Frogg raten: einfach vergessen und die Briefe ungelesen in die unterste Schublade stecken.

  3. niece sagt:

    ich würde dir ja raten, die dinger einfach zu entsorgen. aber da du kein ordnungsmensch bist: verlier sie einfach!

  4. soerli sagt:

    ungeöffnet in einen umschlag stecken und retournieren:

    porto wird vom empfänger bezahlt (in london)
    vergiss den vermerk nicht: empfänger weiss bereits dass er ein arsch ist

  5. niece sagt:

    @soerli: das wäre der anstrengung zuviel. hinzu kommt, dass es viel ärgerlicher ist, wenn der arsch sich nicht mal die mühe macht zu reagieren.

  6. redder sagt:

    natürlich bin ich viel zu einfühlsam um die zeilen einfach wegzuschmeissen….

  7. Pinkamber sagt:

    Bei der Geschichte frage ich mich zuerst; wie lange ist das her? Aus den Zeilen habe ich den Eindruck, dass es schon lange her sein könnte.
    Und darum drängt sich der Gedanke auf, was für ein Problem hat sie? Warum diese Mühe? Was ist oder soll ihr Ziel sein?
    Mir scheint es, als ob sie Dich nicht loslassen kann. Was aber nicht positiv gemeint ist, denn Hass ist auch eine Form von nicht loslassen können. Hinzu kommt noch ne Prise Hochmut, weil sie es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht hat, Dir den Spiegel der Wahrheit hinzuhalten…

    An Deiner Stelle würde ich jeden Brief in Liebe und Respekt verbrennen.
    Helfen kannst Du ihr nicht, sie muss selber zu neuen Einsichten gelangen.

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