sozialstudie

Veröffentlicht: Mai 12, 2008 in erlebnisse, familie, gender, kultur, liebe, reda, single, sinn, zürich

die grünanlagen der stadt sind ideal für sozialstudien. meine nichte meinte, dass die eine, die hübsche da drüben mit mir flirte. ich beobachtete die erwähnte einige minuten und erkläre meiner nicht dann, dass sie in einer beziehung sei, mindestens seit eineinhalb jahren.

wieso? fragte sie.

naja, der typ, der da so unbeteiligt wirkt, kann kein neuer bekannter sein. sie ist zu hübsch, als dass er neben ihr sitzen würde, ohne mit ihr zu sprechen. ein frisches pärchen sind sie auch nicht, sonst hätte er wenigstens eine seiner hände auf ihrem bein oder an ihrem rücken, oder sie würden rumknutschen. wenn er nur ein guter freund wär, würden sie tratschen. also sind sie schon eine weile zusammen, und er hat sich daran gewöhnt, dass eine schöne frau ihn liebt, und er schätzt es nicht mehr.

meine nichte: aber sie flirtet mit dir, vielleicht trennt sie sich ja bald von ihm?

noch nicht ganz sobald. wenn sie ihn wirklich satt hätte, wär sie alleine hier. oder wenn sie mit ihm hier wär, würde sie ihr flirten besser verstecken, weil sie sich dann schuldig fühlen würde. der flirt mit mir hat den sinn, seine eifersucht und aufmerksamkeit zu erregen.

kaum gesagt, blickt der begleiter auf, folgt dem blick seiner partnerin. er setzt sich auf, genau in den blickkanal, legt eine hand auf ihren oberschenkel. dann dreht er den kopf in meine richtung und schickt mir einen finsteren blick. dass er nicht grunzt und sich mit den fäusten auf die brust schlägt, liegt an der dünnen tunche an zivilisation, die wir uns in den letzte hunderttausend jahren zugelegt haben.

sind alle pärchen nach zwei jahren so?

nein, es gibt welche, die sich nach zwei oder mehr jahren immer noch in zärtlichkeit zugetan sind. siehst du die beiden da drüben? er liest zwar auch ein buch, aber er behält den körperkontakt.

aber die könnten ja frisch zusammen sein?

nein, sie drückt an irgendwelchen kleinen pickeln oder flecken auf seinem rücken herum. und sie sind schon lange genug zusammen, dass er weiss, dass es keinen sinn macht, sich dagegen zu wehren. er zuckt und knurrt nur, wenns zu schmerzhaft wird. er liebt sie genug, um trotz des schmerzes körperkontakt zu halten, und sie liebt ihn genug, um durch „fellpflege“ ihre zugehörigkeit zu signalisieren.

meine nichte: oh gott, sind wir nur bessere affen?

ich: wieso bessere?

Kommentare
  1. auch sagt:

    fein beobachtet und beschrieben

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