Archiv für August, 2008


nach meiner kritik an der flugshow beim madonna-konzert, meinte ein leser:

Komisch, an ein Konzert gehen, das mit Hilfe von Dutzenden Sattelschleppern, Kranen und Hubstapler überhaupt stattfinden kann, und sich dann über ein paar Militärjets aufregen?

naja, ich denke, es ist wohl nochmals etwas anderes, mich über shows von tötungsmaschinen aufzuregen, die ungleich mehr sprit verbrennen, als über sattelschlepper, die ich auch nicht unbedingt gut finde.

zudem ist es einfach krank. es ist nicht eine kunstflugshow wie das redbull-airrace (was ich auch ziemlich doof finde), sondern eine der schweizer armee. also bewaffnete neutralität und so.
die scheissmaschinen sind gebaut, um menschen in fetzen zu schiessen.

habt ihr die folgen von bombardements schonmal gesehen? ich meine nicht im fernsehen, sondern im realen leben. ich schon. streubomben von denselben firmen, die diese kampfjets ausrüsten. wisst ihr, wie ein kind mit abgerissenen armen ein bild malt? oder wie ein kind mit einem weggesprengten bein tanzt?

also, erzählt mir keinen gottverdammten scheiss über den unterhaltungswert von verdammten kampfjets. erzählt mir überhaupt keinen verdammten scheiss über militär, freiheit, wehrhaftigkeit und unabhängigkeit, wenn ihr nicht selber schon in kriegsgebieten wart, die folgen mit eigenen augen gesehen habt oder eine waffe auf einen menschen abgefeuert habt.

in dem wir die firmen unterstützen, die die dinger bauen, finanzieren wir wohl jeden elenden krieg und völkermord mit, in dem waffen aus denselben konzernen eingesetzt werden. und da sind auch schweizer mit dabei.

ein bisschen RS, ein paar WKs und etwas lokalpolitik geben euch nicht mal ansatzweise das recht, über kriegswaffen und unterhaltungswert zu schwafeln.

und der umweltschaden ist nur nur ein kleiner übler nebeneffekt.


ich war am madonna-konzert! ich war dabei! und ich hab leute gesehen, die leute getroffen hatten, die schwören, sie hätten madonna mit dem opernglas gesehen. sie war da, auf der bühne, glaub ich.

ich hab ungeheuer scharfe bilder vom seichgelben rivella-stand, sechzig hinterköpfen und einer halben grossleinwand.

naja, die show war superprofessionell, bis ins letzte detail. das ganze konzert hatte in etwa soviel sexappeal wie papa schlumpf und soviel rock’n’roll wie die kastelruter domspatzen. selbst die tänzer in ihren kostümen (eine mischung aus SM-fantasie und science-fiction) brachten da keine erotik oder wenigstens atmosphäre rein.

es war einfach zu plastic, zu organisiert. keine spontane aktion auf der bühne, keine seele. da halfen die wirren kabbalabotschaften beim letzten stück auch nicht mehr.

was mir gefallen hat?

das stück „vogue“, ein intermezzo von eurythmics und der balkan-pop gegen ende  der show. aber dafür hätt ich nie 150 eier ausgegeben. (ich hatte gratis-tickets..)

später, an marc’s mad sommergrill kam dann die diskussion auf, ob man mit 50 um jeden preis so aussehen muss wie mit 20.  ich hab in den letzten tagen einige frauen getroffen, die sagten, sie würden viel geben, um mit 50 noch so auszusehen wie madonna.

ich weiss nicht recht. ich glaub, ich will dann keine freundin, die mit fünfzig oberarme wie ein schmied und einen hintern aus stahl hat. vorallem will ich keine, die eine hälfte des tages stereoide fressend im fitnesscenter hockt und bei der ich die stimmung raten muss, weil botox die mimik umgebracht hat.

ach ja, gestern ging dann auch noch meiner persönliche öko-bilanz den bach runter. die idee, anstelle einer vorband mit 10 militärkampffliegern 10 tonnen treibstoff über dübendorf in die luft zu brennen, war grandios. die flugschau wär nur noch durch eine „live-robbenbaby-abschlachten“-show zu schlagen…

die waren auch da, die ganze familie:

tücken der technik

Veröffentlicht: August 29, 2008 in erlebnisse, geschichten, leben, reda, stil, Uncategorized, zürich
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Ich hab meinen einen BlackBerry verlegt. Natürlich nehm ich den zweiten und ruf mich selbst an. Das teil klingelt, ich hab wieder beide bb’s.

Zwei Minuten später entdecke ich, dass mich eine unbekannte nummer angerufen hat. Die nummer kommt mir irgendwie bekannt vor und ich rufe gleich zurück.

kaum hab ich auf die rückruftaste gedrückt, klingelt mein zweiter blackberry (hab ich schon erwähnt, dass ich zwei hab. hä?). nun komm ich ein wenig in stress. ich telefonier schon nicht gerne mit einem handy, mit zwei telefonen gleichzeitig bin ich überfordert. aber nichts da, tief durchgeatmet und den anruf entgegengenommen, während auf dem ersten teil noch immer das rufzeichen tönt.

aber genau in diesem augenblick wird der erste anruf entgegengenommen.

ich stehe da wie ein idiot und verstehe nicht, wieso beide anrufer im hintergrund metallica hören, genau wie ich….

den wölfen zum frass

Veröffentlicht: August 29, 2008 in beziehung, erlebnisse, familie, geschichten, leben, liebe, reda, terror, zürich
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also, gestern war es soweit. meine freundin musste sich der geifernden neugier meiner familie stellen. natürlich machte ich mir sorgen. gab es doch vorkommnisse, bei denen menschen nach unseren familientreffen spurlos verschwanden oder noch schlimmer, sabbernd und wirr durch den rest ihres lebens irrten..

natürlich trafen wir uns in einem lokal für werber und medienfuzzis, im totos im seefeld. das totos ist jedoch ein kompromiss. es ist nicht weit von zuhause und es ist nicht das fünfsternezeugs, das sich meine schwester gewohnt ist.

vielleicht sollte ich erwähnen, dass meine schwester und ich nicht ganz in derselben welt leben. alle leute, die meine schwester kennt, besitzen entweder drei bis fünf restaurants, werden jeden tag in der zeitung erwähnt oder sind die besitzer oder CEOs dieser zeitungen. status und erfolg sind markenzeichen für die bekannten meiner schwester. meine freunde zeichnen sich eher durch understatement und fehlenden gesellschaftlichen ehrgeiz aus. kurz gesagt, ich bin zürich und berlin, während meine schwester eher st. moritz und cannes ist. mein schwager lebt gemütlich in einer welt aus golf. 🙂 und meine nichte ist wohl innerlich noch zerrissen, obwohl man die ersten einflüsse meiner stadt erkennen kann. ausserdem kommt sie eher nach mir….

naja, wir dinierten und meine freundin konnte erst zum kaffee zu uns stossen. sie setzte sich, und musste sich erst mal die inquisitorische frage anhören:

„so, du hast dich also in meinen bruder verliebt?“ (das ist o-ton!)

danach:

„du bist aber nicht vegetarierin oder sonst irgendwie kompliziert?“

danach kamen dann noch einige peinliche geschichten über mich. (obwohl sich meine schwester da zurückgehalten hat). weiter gings mit perlen aus der familiengeschichte:

„…und ich griff in den bademantel und zog die riesige unterhose des vorgängers heraus. “ (o-ton mein schwager)

als meine freundin und meine nichte sich lachend und kichernd am tisch festhalten mussten, und jedesmal von neuem losprusteten, wenn sie sich ansahen, wusste ich das alles gut ist.

ich liebe meine familie, wie man seine lieblingsvogelspinne liebt: von ganzem herzen, trotzdem will man nicht, dass seine freunde gebissen werden…

naja, meine schwester gab mir dann noch symbolisch eins hinter die löffel, bzw. klärte mich über meine gesellschaftlichen, familiären und sozialen pflichten auf. zählte mir noch schnell die fünf leute auf, mit denen ich mich arangieren muss, wenn ichs in meinem job zu was bringen will. (ich wills in meinem job nirgendwohin bringen, ich bin froh, wenn ich einfach einen job hab, den ich mag.)

aber sie ist halt meine ältere schwester und hat von klein auf auf mich achtgegeben. es ist ihr irgendwie im blut, stets das beste und mehr für mich erreichen zu wollen. naja, mehr oder weniger macht sie das für alle menschen um sich herum. das ist es, weshalb die menschen sie lieben.

auf jedenfall bekam ich später, als ich im bett lag, eine sms von meiner schwester:

„wenn du diese frau nicht halten kannst hast du ein problem. mit uns! die ist cool und süss!“

was will man mehr an familie und freundin?

ou madonna!

Veröffentlicht: August 28, 2008 in kultur, medien, musik, reda, sex, stil, zürich
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naja, am samstag geh ich (und 69 999 andere) die alte hupfdohle anschauen. die zeit macht alles relativ: vor 25 jahren hätt ich meine linke hand dafür gegeben, madonna live zu sehen (die rechte hätt ich ja noch gebraucht). und heute find ich sie ein wenig peinlich, die oma.

ausserdem bin ich in dübendorf gross geworden. also, der ort stimmt, die frau stimmt, nur die zeit ist ein vierteljahrhundert daneben….

ich denke, die tante könnte mit würde altern, ansonsten sieht sie in fünf jahren aus wie cher: eine silikongefüllte, gestraffte kamel-ledertasche

was solls, ich geh mit meiner liebsten dahin, also ist wohl alles gut. die mag ich nämlich, und dafür lässt sich auch ein wenig hupfdohle ertragen. und ich werde sicher material zum bloggen nach hause bringen.

damals hätt ich nich nein gesagt:


gestern nannte mich jemand einen frauenversteher. das sei aus meinem blog ganz klar herauszulesen. ich denke, der kerl ist ein idiot. ich hab langsam ein verständnis für mich selbst, beginne zu ahnen, was männer im allgemeinen bewegt und kann geschlechterunspezifische verhaltensformen interpretieren.

es sind zwei verschiedene dinge, frauen im allgemeinen zu verstehen oder die frau die man liebt zu verstehen.

naja, kurz gesagt: manchmal scheine ich ein ziemlicher unsensibler sack zu sein. es sind kleinigkeiten, aber im nachhinein ist es offensichtlich.

zum beispiel erzählt man seiner liebe nicht zehn minuten lang von der superparty mit all den bulgarischen pornomodels. selbst wenn sie weiss, dass ich treu bin, selbst wenn kein zweifel daran besteht, dass ich sie liebe. auch wenn sie weiss, dass ich mir zwar manchmal pornos anschaue, das aber ganz bestimmt nichts mit meinem realen leben zu tun hat. es ist einfach unsensibel und verletzend.

auch kann ich nicht, wie bei meinen freunden, einfach mal sagen, dass ich morgen vielleicht vorbeikomme, mich dann aber anders entscheiden. manchmal fehlt mir das gefühl für kommunikation und die sensibilität für die stimmung und die unsicherheiten meines gegenübers.

als single konnte ich auf erfahrungswerte zurückgreifen. in einer beziehung ist alles immer neu und individuell, keine rezepte, keine patentlösungen, nur erfahrungen von tag zu tag.

aber wisst ihr, was das gute ist? ich habe jede menge zeit, jedes einzelne detail kennenzulernen und zu berücksichtigen. :))))))))


heute musste ich für m. meine niedergeschriebene lebensgeschichte wieder zusammensuchen. er wird jetzt sozialpädagoge und braucht meine geschichte als fallbeispiel. ich fühle mich geehrt (seine eigene durfte er wohl nicht benutzen).

und wies halt so ist mit alten texten, man beginnt zu lesen und glaubt einfach nicht, dass ein so übles machwerk aus der eigenen feder stammt. und natürlich stimmen die meisten fakten, aber trotzdem hat die geschichte, nicht wirklich etwas mit mir zu tun. klar, die ganzen geschichten aus der bewegung waren definitiv spannend. und ich hatte auch wirklich gute momente.

aber diese geschichte liest sich wie ein krimi. ein drama nach dem anderen. pistolen, drogen, revolution und sex. naja, sex nicht sonderlich viel, da ich meistens weder zeit noch energie dafür hatte. was für eine verschwendung.

und natürlich kommt einiges zusammen, wenn man fünfzehn jahre wildes leben auf 30 seiten zusammenquetscht. und die fakten stimmen.

aber das ist nicht die ganze wahrheit. die dramen fanden nur zur vollen stunde statt, die sechzig minuten dazwischen waren erbärmlich, langweilig und voller angst.

erzählt habe ich nicht von der paranoia, die mich nur noch bei nacht und bewaffnet aus dem haus gehen liess. nicht von den leuten, die wöchentlich abgekratzt sind, an deren namen ich mich nicht mal mehr erinnern kann (hier sei ihnen gedacht). es ist nicht das erbärmliche zusammenkratzen des letzten geldes erwähnt, oder all die lügen. die lügen legten sich schichtweise übereinander, bis ich selbst nicht mehr wusste, welche gerade die aktuelle war, geschweige denn ein bewusstsein für wahrheit. nie ist die rede von depression, selbstekel und beschämender angst vor der welt.

und was überraus auffällig bei dieser niederschrift ist, dass es sich immer um mich dreht. wenn jemand gelitten hat, war ich es, wenn jemand edel gehandelt hat, war ich es. die menschen, die unter meinem lebenstil gelitten haben sind nur am rande erwähnt, die meisten überhaupt nicht. die exzesse waren meist nicht rühmlich sondern einfach eklig.

was mich zu einem nebensatz zu den botellons bringt. ein kleiner prozentsatz der idioten, die das geil finden, hat den gleichen weg vor sich wie ich damals. die armen schweine.

ich denke, ich setze mich nochmals hin und schreibe den ganzen scheiss nochmals. vielleicht kann ich nicht mehr schreiben wie es wirklich war, aber bestimmt komme ich der wahrheit heute ein stückchen näher…

ach ja, heute hab ich vielleicht ab und zu einen schlechten tag. damals hatte ich schlechte monate 🙂