Archiv für Oktober, 2008


nach einer gewissen weile bekomme ich den urlaubskoller. heute wars nun soweit. ich musste morgens auf meinen kaffee warten und konnte nicht rauchen. das und der vollmond reichten, um mir einen asozialen tag zu bescheren. ich mochte mit niemandem sprechen, grummelte vor mich hin und bin immer noch nicht vollkommen gluecklich. aber mein meditationsguru hat mich mal darauf hingewiesen, dass alles kommt und geht, alles ist im fluss und das einzig bestaendige ist die veraenderung. ich muss mir unbedingt eine notiz schreiben, dass ich ihm eins vor den latz haue, wenn ich zurueck in zuerich bin.

eine der kleine f reuden, wenn man so in den cafes in nordafrika rumhaengt, ist es, die nationen der vorbeilatschenden touris zu raten. bei schweizern ist es meist einfach. die benehmen sich einfach so ueberaus zivilisiert. sie schreien nicht rum, sind vernuenftig gekleidet, wissen genau, wo man was essen darf, sind an allem interessiert und immer etwas langweilig. die franzosen sind meist laut etc.

verwirrung stiften nur die hollaender, koennte man sie doch auf distanz fuer schweizer halten. heute haben wir hollaender gesehen, die ueber zwanzig meter durch muell gewatet sind, nur um die kaugummiverpackung in einen (leeren) muelleimer zu schmeissen. das machen sonst nur schweizer…

dann die langen spaziergaenge am meer. echter sport ist das, erst gegen den wind kaempfen und dann mit dem wind rennen. ich finds entspannend 🙂


ein wirkliches gefuehl fuer orientalische naechte kann einem wohl nur eine vollmondnacht auf dem dach einer alten maurischen kaserne in einer ehemaligen bastionsstadt am atlantischen ozean vermitteln. vor mir die hafenmauer mit den alten kanonen, die im mondlicht glitzern, hinter mir der atlas, der sich majestaetisch in den himmel erhebt und ueber mir die doofen moeven, die im zarten mondenschein auf meine trocknende waesche kacken. ach, 1001 nacht….

hier in marokko waer das land der offroader. denn selbst mitten auf der strasse hat man das gefuehl, off road zu sein. die schlagloecher haben die groesse des bodensees und an den seiten sind aussichtsplattformen eingerichtet, von denen man auf den grund der loecher sehen kann. gegen bakschisch natuerlich. trotzdem fahren in ganz marokko weniger menschen einen SUV oder offroader als im seefeld. nicht, weil sie ihn sich nicht leisten koennten, sondern weil ein ganz normaler PKW den herausforderungen auch gewachsen ist. wenn sie denn geld verschwenden wollen, kaufen sie sich einen bmw roadster…

die gruene partei marokkos ist uebrigens hier die braune partei, da hier die umwelt und die natur eher in sandtoenen stattfindet. sie machen sich fuer die erhaltung der sahara stark und holzen baeume ab, die irgendwelche hippies, in unkenntnis der oekologischen verhaeltnisse, zur eingrenzung der wueste gepflanzt haben.

ach ja, dann ist da noch die sache mit den ambulanzen. wenn in marrakesch oder essaouira ein krankenwagen mit blaulicht vorfaehrt, kannst du dich drauf verlassen; dass ein touri krank ist. fuer die einheimischen gibts nur eselskarren. und da jede menge franzoesischer rentner ihre letzte reise in der hitze marokkos antreten (fettes essen, hitze und herzprobleme vertragen sich nicht), nehm ich an, dass sie hier auch ein besonders kuehles plaetzchen fuer die touristen haben, die im frachtraum der flugzeuge den heimweg antreten. ich werds schon noch ausfindig machen…

bald mehr

redder reist V (globalisierung)

Veröffentlicht: Oktober 11, 2008 in erlebnisse, kultur, Politik, reda, Satire, stil
Schlagwörter:

Heute hat es den ganzen tag geregnet, so dass ich Zeit und Musse hatte, meine tech-Spielzeuge auszuprobieren. Mein BlackBerry hat die schnellste internet-Verbindung weit und breit. Schneller als die hoteleigene Satellitenverbindung.

So gab ich auch von missus palins Machtmißbrauch erfahren. Was mich eigentlich nicht überrascht. Jedes Volk bekommt die Politiker die es wählt so spricht das ganze weniger gegen palin, als gegen ihre Wähler. Die spinnen, die Amis. Und wahrscheinlich wird diese Frau auch gleich Vize-Präsidentin der zweitgrössten Atommacht.

Im Urlaub kann man sehr gut Nationalitäten beobachten. Zum Beispiel verhalten sich Franzosen in Nordafrika oft so, als wären sie noch immer eine kolonialmacht. Schweizer betonen ihr demokratisches Verständnis, indem sie jedem Bettler die händ schütteln, bevor sie ihm die Vorteile des Schweizer Sozialstaates erklären. Die Amis finden alles „sooo cute“, die EngländerInnen zeigen allen ihre bauchpiercings und die deutschen verhalten sich eigentlich am kultiviertisten.

Naja, den Arabern ist das egal. Solange nur die palin nicht hier Urlaub macht und sich darüber aufregt, wie schlecht es üm die Bildung hier steht: die armen Araber sprechen ja kaum englisch…


ok, seit ich das letzte mal hier war, hat sich essaouira nicht gross veraendert. noch immer die stadt der surfer-dudes und der nordafrika-hippies. aber ich hab mich wohl ein wenig veraendert. nun leiste ich mir ein hotelzimmer, dessen terrasse groesser ist als meine ganze wohnung in zuerich, teilen muss ich nur mit den moeven. ach ja, moeven sind die kamele der luefte, nur doofer. reisen ist also vorbei, jetzt mach ich wie jeder andere einfach urlaub.

ich haeng also nicht mehr in den abenteuerlichen absteigen rum, leiste mir mahlzeiten, bei denen man eine stoffserviette dazu bekommt und ich kaufe dinge.

also, ich bin ja halb nordafrikaner, also, da kann mir keiner was, so auf dem markt und so. handeln liegt mir im blut. ich hab ein marokanisches hemd gekauft. und ein marokanisches dingsda in sandfarben fuer meine freundin. und eine marokanische tasche aus totem kamel (hehe). und ich hab die haendler runtergehandelt. aber irgendwie hab ich nach jedem abschluss immer noch dieses komische gefuehl gehabt: haendler sind nicht sooo freundlich, geben kleine geschenke und druecken einem breit grinsend die hand, wenn man gerade den letzten dirham aus ihnen rausgepresst hat….

nachdem wir den letzten haendler hinter uns gelassen haben (der uns ein erfolgreiches leben wuenschte, sich grinsend tausendmal verbeugte und versprach, dass noch seine urenkel uns in ihre gebete einschliessen wuerden), kamen wir an einem schaufenster vorbei.

darin sah ich zwei schweizer touris, eingepackt in dinge, die sie in der schweiz nie mehr tragen werden (das schoene gruene hemd, darin seh ich aus wie ein araber!), und fuer die sie mindestens das doppelte des eigentlichen wertes gezahlt hatten… also leute, denen man irgendwie jeden tourischrott andrehen kann.

naja, sind wir nicht alle ein bisschen touri? und ausserdem kann ich mir das jetzt ja leisten. trotzdem musste ich schnell noch einen original westlichen surfer-dude-kapuzenpulli kaufen, um mein jugendliches selbswertgefuehl wieder herzustellen.

die bilder kriegt ihr, sobald ich einen rechner gefunden hab, der seine operationen nicht an den fingern abzaehlen muss. mein handy hat mehr rechnerleistung als ein ganzes marokanisches internetcafe.

gruesse vom sonnigen atlantik, ich hoffe ihr geniesst euer wetter genau so wie ich.

hang loose, man 🙂

redder reist III (1001 stufen & kamele)

Veröffentlicht: Oktober 9, 2008 in erlebnisse, kultur, reda, reise, stil
Schlagwörter:, , ,

wenn s denn moeglich ist, haben wir in essaouira ein noch schoeneres zimmer. wir haben die dachterrasse in einem der wirklich alten gebaeude am hafen. naja, es dauert ein wenig, bis man im zimmer angekommen ist. es sind genau 1001 stufen (ich schwoer!), bevor man vor einer alten haremsfluegeltuer steht. naja, eigentlich sind es nur 997 stufen. den die vier restlichen stufen sind im zimmer. isch voll geil. private terrasse und all son zeugs.

mit strand ist halt nicht so, wir sind am atlantik. der wind versucht noch immer, die araber aus dem land ins meer zu blasen. und am nachmitag saugt er sie wieder zurueck.

heute, am strand wurden wir gefragt, ob wir kamelreiten wollen. kamelreiten! sehen wir aus wie idioten? nicht mal die einheimischen reiten noch auf diesen viechern. die moegen ja wunderschoene augen und uhuere lange wimpern haben, aber sie sind nicht zum reiten gemacht. sonst haetten sie keinen hoecker sondern einen flachen ruecken, wie pferde. auf kamelen holt man sich einen wolf, mit dem man noch tagelang tanzen kann….

ausserdem sind das voll asoziale viecher, die homeys unter den wuestentieren. kobras sind dagegen richtige kuscheltiere. kamele stinken, spucken, treten und furzen. und wenn sie wirklich schlecht gelaunt sind, beissen sie kleine kinder.

ich hab mich immer gefragt, ob tierpsychologen wirklich eine daseinsberechitgung haben. seit ich kamele kenne, stelle ich das ganz sicher nicht mehr in frage. selbst wenn man sie mit zucker fuettert, versuchen sie einem die hand abzubeissen. wenn man dann aber ausser reichweite ist, spucken sie einem einfach hinterher.

dafuer ist saouira voller katzen. man oeffnet einen briefkasten und ein katzenbaby schaut heraus. man kauft eine lederfreitagtasche und bevor sie eingepackt wird, sollte man kontrollieren, ob nicht ein kaetzchen drin schlaeft. man setzt sich in ein cafe, und noch bevor der kellner aufgewacht ist, schlaeft eine katze in deinem schoss. hab ich schon erwaehnt, dass ich katzen voll kuul finde. essaouira ist ein katzenparadies.

morgen lade ich dann die bilder von katzen, vom zimmer und von den 1001 stufen hoch…

bald mehr…

redder reist II (hippie-kacke)

Veröffentlicht: Oktober 8, 2008 in bildung, erlebnisse, geschichten, kultur, reda, reise, Satire
Schlagwörter:,

also, wir haben unser wirklich schoenes riad verlassen, nachdem wir marrakesch fuers erste erkundet haben. es ist erstaunlich, dass ich mich nach ueber drei jahren noch immer noch in der altstadt und den souks auskenne. inzwischen sind wir in essaouira, am atlantik, wo wir vorerst wohl auch bleiben werden. ich bin einfach kein traveling-hippie mehr, gott sei dank…

apropos hippies: hier gibts jede menge davon. junge europaer, die in unsaeglich bunten klamotten herumlaufen und den einheimischen mit ihrer „wir sind doch alle multikulti“- attitude auf den sack gehen. die maedchen tragen durchsichtige hippie-roeckchen und die maenner dreadlocks (oder umgekehrt), sie essen „authentische“ sachen, zeugs, das selbst einheimische nur dann essen, wenn sie sich nichts anderes leisten koennen. ihre vorstellung von marokko beschraenkt sich darauf, kiff zu rauchen, die nase ueber die anderen touristen zu ruempfen und von dem unheimlich „geilen“ groove zu schwaermen, der der arabischen sprache innewohnt. nur meistens sind die unheimlich groovigen arabischen saetze, die ihnen hinterhergerufen werden mehr oder weniger prosaisch (verschwindet, pack, und nehmt euren muell mit).

natuerlich gibts auch jede menge schweizer paerchen in unserem alter, die den einheimischen ihre geschichte und kultur erklaeren (wissen sie, ich habe gelesen, dass die mauren eigentlich gar nie hier waren. ihre kultur ist eigentlich ganz anders, als sie immer gedacht haben. wir schweizer haben eine enge beziehung zu blablablabla)

naja, wir schweizer kommen auf jedenfall ziemlich schlecht mit dem arabischen tastaturlayout zurecht.

bald mehr meine lieben 🙂

redder reist 1

Veröffentlicht: Oktober 7, 2008 in Uncategorized

Hier mein erster Reisebericht aus Marokko, direkt ab dem BlackBerry:
Wie sind standesgemäss in Marrakesch angekommen: vom Taxifahrer übers Ohr gehauen und von einem zwielichtigen Führer in den engen Gassen der Medina in die irre geführt. Kurz bevor wir dem Führer nachhaltigen körperlichen Schaden zugefügt haben, lieferte er uns in unserem Riad ab.

Ein kleiner Traum! Kühler Innenhof, nur drei Gästezimmer und netter Besitzer. Die anderen beiden Zimmer sind auch von Schweizern belegt. Ja nu.

Ich hatte völlig vergessen, dass sich die marokanischen Mädchen gemeingefährlich verhüllen. Sie kleiden sich in Farben, die einen schon bei kurzem hinschauen einen bleibenden Augenschaden beschehren. Kampf-pink, das in geheimen nuklear-Laboratorien der ehemaligen sowjetstaaten entwickelt wurde und von der UN-menschenrechtskommission geächtet ist. Oder neongrün aus dem Weltraum.

Wie essen gut und geniessen die Sonne.

Bald mehr.

urlaubs-snob

Veröffentlicht: Oktober 5, 2008 in erlebnisse, geschichten, kultur, reda, reise, Satire, zürich
Schlagwörter:, ,

wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, bin ich ein snob. ich mache keine ferien, ich REISE. naja, wenigstens bisher. nun steige ich also in ein flugzeug und gehe mich für zwei wochen erholen. was packt man da ein? ich habe mir eine liste der dinge gemacht, die ich wieder auspacken sollte:

1. schussverletzungs-set mit schusskanalsonde, kugelzange und ledernadel. schliesslich gehe ich nicht nach london. in marokko gibts gute ärzte, nicht so wie in england. und die gefahr, angeschossen zu werden ist in south london wohl höher.

2. die glasperlen-box. hab ich mir mal gekauft, als wir ein wochenende im aargau planten. für die eingeborenen und so. (ich dir glasperlen geben, du mir zeigen wo zug nach zürich). aber marokko ist mir voll zivilisiert in erinnerung.

3. meine notfall-decke der kanadischen airforce. reflektiert hitze und kälte, ist wasserundurchlässig, wiegt nur 80 gramm und ist zusammengefaltet so gross wie ein zigipäckli. ich denke nicht, dass ich das in den hotels brauche.

4. meine taschen-machete. gibt keinen urwald da, und zum butterbrot schmieren ist sie unütz.

5. meine schlangebiss- und seuchenseren. die kriegt man da unten in jeder apotheke.. 🙂 ausserdem wurde ich bereits von einer schlange gebissen (die war sooooo gross!) und zweimal im leben wär wohl zuviel, selbst für mich.

6. meine wasseraufbereitungs-tabletten. ich trink nur coca cola.

7. meine kampfstiefel. meine freundin hätte wohl wenig freude, wenn ich nach einem dreistündigen spaziergang durch die altstadt von marrakesch meine stiefel im hotelzimmer auszehen würde…

so, aber was nehm ich den jetzt mit? ihr werdets erfahren.

campino: punk’s old fashioned

Veröffentlicht: Oktober 4, 2008 in erlebnisse, geschichten, kultur, medien, musik, reda, sinn, stil, zürich
Schlagwörter:, ,

nach dem ich letzte woche mit bernd und uli gequatscht hab, kam diese woche eine weitere figur aus meiner vergangenheit dran. 

die Toten Hosen waren seit ihrer scheibe „Opel Gang“ ein stetiger begleiter in meiner hausbesetzerzeit. nun, gestern bin ich campino wieder begegnet. an unsere erste begegnung in der wohlgroth mochte er sich nicht mehr erinnern, was aber kein wunder ist, da wir uns da knapp fünf minuten gesehen haben. er ist da mit eicher und lauener rumgehangen….

da sitzt er also, held meiner jugend. etwas zerknittert, immer noch blonder wuschel und gefurchtes gesicht.  immer noch liebenswert, aber auch immer noch orientierungslos und ein wenig bitter. bald 30 jahre rocknroll mit allen hochs und tiefs können zwar ein leben sein, aber wie alle romantiker dürstets ihn nach sinn. konnte ich ihm natürlich nicht geben. aber es ist schon erstaunlich. wenn ich meine helden aus der kindheit treffe, menschen, die ich bewundert und beneidet habe, und dann feststellen muss, dasss ich sie zwar noch immer mag, aber auf keinen fall mehr tauschen will. das ging mir bei stefan eicher so, bei  kuno und bei vielen anderen. nun ist halt noch einer dazugekommen. campino ist kuul, aber leider, me jung, ich bin bei weiten zufriedener und gelassener… 🙂

nun fehlt eigentlich nur noch lou reed… aber noch ist das jahr ja noch nicht vorüber.

ach ja, der dalai lama ist noch immer mein held.  und ganz unbuddhistisch beneide ich ihn um seine weisheit und gelassenheit…

nachtrag urlaubs-check

Veröffentlicht: Oktober 2, 2008 in Uncategorized

..es könnte beim vorherigen post die idee aufkommen, dass ich mich nicht uuunheimlich auf den urlaub mit meiner freundin freue. das ist falsch. ich freue mich extrem. so fest, dass meine kollegen bei der arbeit schon die augen verdrehen. aber so what? sollen sie doch, weil, ich flieg weg und die nicht 😀