egozentrik und selbstmord

Veröffentlicht: April 15, 2009 in böse, bildung, geschichten, kultur, leben, reda, stil, terror
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heute beim gemütlichen mittagsmahl kamen wir aufs thema selbstmord. nachdem wir die appetitlichen details von „vor den zug werfen“ abgehakt hatten, fand ich, dass selbstmörder egozentrische arschlöcher sind.

es gibt sicher depressive, die sich das leben nehmen. aber in den meisten fällen ist es entweder ein vorwurf (ihr seid sooo gemein) oder aber reine egozentrik. ein familienvater, der sich umbringt, weil er schulden hat oder in irgendeinen skandal verwickelt ist, halte ich für genauso dämlich, wie eine ehefrau, die sich vergiftet, weil ihr mann fremdgeht.

klar, leiden ist nicht messbar. aber wer sein leiden so inszeniert, dass daraus ein grund zum sterben entsteht, ist ein vollidiot. nie käme es einem hungernden in der dritten welt in den sinn, sich theatralisch aufzuhängen. denen ist das leben zu wertvoll.

sterben tun wir sowieso. also lasst uns die zeit bis dahin irgendwie angenehm durchbringen….

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Kommentare
  1. pfaul_der_pfogel sagt:

    Du kannst Selbstmord doch nicht als dämlich bezeichnen, denn „klar, leiden ist nicht messbar“. Auch wenn du den Grund oder die Form (! diese ist inszeniert, nicht der Akt selbst, der ist immer gleich und eeehmm.. Man ist eben tot danach) nicht nachvollziehen kannst oder idiotisch findest – Selbstmord ist „last measure“, wenn sich jemand umbringt, dann -war das Leid zu gross-, egal wovon verursacht.

    Es ist doch mehr noch ein Fehlschluss; Man findet dämlich, wer Blödes tut, das bspw. Konsequenzen mit sich trägt, seien es finanzielle oder soziale, whatever. Zumindest wird hier doch eine Zukunftsaussicht bedingt. Jemand der sich umbrachte, ist tot und weg und hat keine Interessen mehr, welche durch seine Handlung irgendwie betroffen sein könnten.

  2. redder sagt:

    ja, und die zurückgebliebenen sind die eigentlich leidenden. den toten interrressierts einen scheiss, wen er verletzt oder wie die anderen damit klarkommen. ergo: egozentrisches arschloch. das eigene leiden über die befindlichkeit anderer stellen. ICH bin der ärmste, die anderen können mich mal…

    • sören sagt:

      die zurückgebliebenen sind wixxxer da sie vorher nicht da waren. ich erleb ds auch grad und hab nen spack vor sitzten der meint ich solle leben damits ihm gut !!! tz schon wegen der aussage würd ich gehn, nur nervt das zu wissen ich „töte“ meine eltern damit seelischg…. warum das mein leben nicht ihrs wen ich da kein sin/spass/oder generll nix gutes mehr halten kann und das kämpfen ums besser bzw. da rauskommen gescheitert ist „für einen selbst“, dan ist das eine logische konsequenz zu gehen. mag sein dass das für aussenstehende nicht nachvolziehbar ist aber die müssen auch verstehen das man kein ausstehender ist und das ganze nicht neutral bewrten kann und jede einzelene secunde mit schlechten gefühln ÜBERSTEHT.

      • redder sagt:

        Nun ja, ich hab meine drei versuche überlebt. Und jetzt, über 20 jahre später, muss ich sagen, ich hätte eine Menge wirklich geilen Scheiss verpasst, wenns funktioniert hätte. Und ich wär einfach nur voller Selbstmitleid abgetreten.

  3. pipistrella sagt:

    ich glaube auch, dass menschen, die sich wirklich umbringen, am limit ihrer selbst stehen.
    klar kann man sie in diesem moment als egozentrisch bezeichnen und sie verurteilen, dass sie ihr eigenes leiden über die befindlichkeit anderer stellen.
    aber machen wir das nicht ständig? unser eigenes leiden über die befindlichkeit anderer stellen? ich erinnere dich ein deinen blogeintrag „schon wieder versagt“. da hast du dein leiden in einer beziehung auch über die befindlichkeit der anderen person gestellt. du bist der meinung, du ersparst ihr weiteres leiden, das unmittelbare leiden, das du aber evt. mit der trennung verursachst, ignorierst du.
    ein selbstmörder handelt genau gleich. er geht davon aus, dass seine mitmenschen nach seinem tod nicht mehr wegen ihm leiden müssen.

  4. till sagt:

    Um dieser Diskussion was beizutragen möchte ich weniger das Leiden ansich, sondern die mangelnde (oder den Mangel an) Perspektive als Ursache für Selbstmord ins Zentrum rücken…es bringen sich, in den entwickelten Staaten wie der Schweiz, die Leute um, weil ihr Perspektivenstandard recht hoch angesetzt ist und auf der anderen Seite stets fragil bleibt. Wir werden geboren mit der Erwartung Rockstars zu werden oder die CS zu leiten, dass es dann nicht so kommt tun die meisten Backoffice Sklaven,Beamten und Arbeiter mit einer leichten, schleichenden Depression ab, welche allerdings keine grossen Früchte wie Selbstmord trägt…mehr solche wie flaute im Bett, Puffbesuche, Ignoranz,Konsumsucht, Midlife Krisen etc..
    Eigentlich müsste man sich aber fragen warum stirbt jemand der mit seinen 5- 9000 Kröten im Monat in jedem anderen Land ein geachteter Krösus wäre, langsam innerlich ab? Weil er nicht glücklich ist mit dem was er hat. Logisch oder? Warum er das nicht ist, ist auch logisch..er wollte Rockstar werden oder die CS leiten. Wenn jetzt jemandem in diesem vorbelasteten Kontext noch sowas wie ein Bankrott passiert, liegt er plötzlich so extrem weit unter der Zielerreichung, wies ohne hohe Erwartungen gar nicht möglich gewesen wäre, genau da findet sich dann auch der existenzielle Vorteil von Menschen aus der dritten Welt: obwohls denen voll beschissen geht, haben sie keine hohen Erwartungen, daher keine tiefen Enttäuschungen und begehen daher keinen Selbstmord.

    Weiter möchte ich an dieser Stelle allseitig die Lektüre von Camus`Sisyphos empfehlen.

  5. pfaul_der_pfogel sagt:

    Kannst du dir nicht vorstellen, dass es eben eine Stufe schlimmeren Leides gibt, bei der auch die Vorstellung, dass dein Umfeld in Mitleidenschaft gezogen wird wenn du dich umbringst, nicht mehr zieht? Wie gesagt, „last measure“. Du kannst wohl davon ausgehen, dass in den meisten Fällen von Depression mit Suizidpotential der Betroffene gerade eben wegen seines Umfeldes sich nicht umbringt. Offenbar gibt’s aber Fälle, bei denen der Gedanke an die Zurückbleibenden das Leid nicht aufzuwiegen vermag. Und jetzt könntest du wieder mit „egozentrisches Arschloch“ und „den toten interessierts einen scheiss“ kommen, aber skldhsiyrjhsiljriojrio4j hier wieder der Fehlschluss: Suizid ist kein Ausdruck von Selbstsucht!! Es ist nicht mit „ich klau meinen Freunden Geld und brenne durch nach Mexico“ zu vergleichen. Es ist für einen Selbstmörder nicht ‚befriedigend‘ sich umzubringen, weil er danach eben TOT IST.

  6. PAX sagt:

    du hast, mit verlaub, nicht die geringste ahnung. aus der suizidforschung weiss man sehr genau, dass keiner der sich das leben nimmt, oder es versucht, wirklich sterben will. das leiden ist einfach so gross, dass keine andere massnahme dem leiden ein ende zu bereiten scheint. zudem sind tatsächlich die meisten menschen die suizid begehen psychisch krank, leiden also z.b. an einer schweren depression. die tatsache, dass die leute nicht an ihre nächsten und deren gefühle denken zeigt nicht, dass es ihnen egal ist, sondern verdeutlicht die verzweiflung in der sie stecken.

  7. redder sagt:

    Naja, keine ahnung wuerde ich das nicht nennen. Ich hab meine zwei selbstmordversuche mit viel glueck ueberlebt. Ich habe meinen besten freund nach langer erkrankung in den freitod begleitet. Ich litt unter schweren depressionen, die aber nichts mit meinen suizid-versuchen zu tun hatten. In der depression wars mir ehrlich gesagt scheissegal, ob ich am leben bin oder nicht.

    Ich stehe ja auf forschung zu psychisch/geistigen themen von leuten, die nur delegierte erfahrung haben. Suizidforschung ist in etwa so aussagekraeftig wie ein bildbeschreibung eines blinden. Leute, die sich das leben nehmen wollten sind wohl die einzigen, die nachaltige aussagen zu diesem thema machen koennten. Leider koennen wir nur denen zuhoeren, die ueberlebt haben. Also erzaehlt mir nicht nochmals was ueber leiden. Leiden bringt dich nicht um, man ist es selbst. Es ist eine form von krankheit, deren offensichtlichstes symptom die selbstbezogenheit ist.

  8. PAX sagt:

    na ja, von sich auf die gesamtheit zu schliessen ist nun wirklich weder wissenschaftlich noch repräsentativ. natürlich findet man in jeder suppe ein haar, aber wo stünden wir denn, wenn nur leute mit eigener erfahrung etwas über ein thema aussagen dürften? was würdest du als journi dann noch zu tun haben? leute, die mit viel glück ernsthafte suizidversuche überlebt haben berichten im nachhinein genau das, nämlich, dass sie nicht sterben wollten, aber keinen anderen ausweg sahen, ihrem leiden ein ende zu bereiten. nenn es wie du willst, aber mit simplifizierenden aussagen auf grund eigener erfahrung wird man diesem phänomen wohl kaum gerecht.

  9. PAX sagt:

    und übrigens, dass die meisten suizide mit einer psychischen störung zusammenhängt ist statistisch abgesichert. genauso wie der fakt, dass die allermeisten suizide angekündigt werden. nur leider hört in der heutigen zeit niemand mehr hin…

  10. redder sagt:

    Wohl gerade weil ich journi bin, weiss ich, wieviel empirische daten im bereich psyche oder sozialem mit der realitaet zu tun haben. Und es stimmt, dass suizidversuche und suizide eine krankhafte ursache haben. Nur ist die ursache eher im spirituellen denn psychischen zu suchen. Es kommt wohl nicht von ungefaehr, dass die hoechste selbstmordrate in laendern zu finden ist, in denen das eigene befinden zum kult erhoben wurde. Das kann gut funktionieren, solange man sich in einer positiven schleife befindet. Leidet man, so ist der schritt, das eigene negative befinden ueber alles andere zu stellen, nicht weit. Die entscheidung, sich das leben zu nehmen sollte ei jedem persoenlich liegen. Nur sollte ein halbes jahr zwischen der entscheidung und der ausfuehrung liegen. Wie gesagt, man stirbt nicht am leiden. Man stirbt an der toetungshandlung. Und nimmt sich und anderen die moeglichkeitn. Sich damit auseinander zu setzen.

  11. PAX sagt:

    Ich stehe ja auf forschung zu psychisch/geistigen themen von leuten, die nur delegierte erfahrung haben. Suizidforschung ist in etwa so aussagekraeftig wie ein bildbeschreibung eines blinden.Wohl gerade weil ich journi bin, weiss ich, wieviel empirische daten im bereich psyche oder sozialem mit der realitaet zu tun haben.

    damit widerlegst du dich ja selber. nimms mir nicht übel, aber als mensch, der eine gewisse ahnung von statistik und sozialwissenschaft hat, kann ich deine aussage nicht ernst nehmen. beispiele, die deine aussage belegen wären hilfreich. in der suizidforschung gibt es klare signifikanzen, was die massnahmen zur verhinderung von suizid betrifft.

  12. d'Frou G. sagt:

    grauenvoll was hier grad vor sich geht jedem seine Meinung und aller freien Meinungsäusserung zu Trotz ja auch der Meinigen
    „beispiele, die deine aussage belegen wären hilfreich.“
    lesen LESEN einfach lesen dann wäre da Beweis genug
    oder versteh ich hier was falsch – dies ist keine universelle Enzyklopädie und nein ich bin nicht die Pressesprecherin des Fanclubs auch kein sonstiges Anhängsel des Herrn R. der hier seines schreibt

  13. redder sagt:

    ja, ich sehe die signifikanzen und deren umsetzung in der steigenden selbstmordrate….

    aber , so what. ich halte einnfach nicht viel von einer akademischen herangehensweise bei psychischen problemen. ich halte eigentlich sowieso nicht viel von akademischer herangehensweise. ich weiss, wie statistische oder einfach nur repressentative daten entstehen. ich kenne auch leute, die sie erheben…

  14. PAX sagt:

    ok, gegen ignoranz ist kein kraut gewachsen. hat wohl wirklich keinen zweck hier weiter zu diskutieren.

  15. redder sagt:

    jep, aber ich mag dich trotzdem 😀

  16. PAX sagt:

    ich dich auch :-*

  17. Wer nie in dieser Situation gesteckt hat, kann sie auch nicht beurteilen. Einem Suizidenten ist nichts egal. Er will nur sterben. Dieser Wunsch ist übermächtig und füllt das ganze Gedankenfach aus. Für anderes ist da kein Platz.

    Ich weiß das besser, als mir lieb ist. Ich habe überlebt. Sehr, sehr knapp.

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