die nutten und ich

Veröffentlicht: Mai 7, 2009 in bildung, gender, geschichten, klugscheiss, kultur, leben, Politik, reda, sex, single, sinn, stil, zürich

in den letzten tagen hatte ich beruflich einige male mit sexworkerinnen (das sind nutten) zu tun. und komischerweise kam das thema auch privat auf. also hier mal wieder ein post zu prostitution.

ich bin absolut kein moralischer mensch, trotzdem merke ich manchmal gar nicht, wie überheblich ich bin. ich hatte früher meine versuche mit prostituierten, aber das hat nie geklappt. ich bin der klassische hurenretter. ich identifiziere mich immer mit den in meinen augen „schwächeren“. damals hätte  ich mich sofort in eine prostituierte verliebt und sie aus ihrem schrecklichen schicksal retten wollen. ausserdem konnte mein ego nicht ertragen, dass ich für sex zahlen sollte und schickte gleich einen blockadebefehl an den ganzen körper. (naja, nicht an den ganzen…)

naja, meine arroganz besteht darin, dass ich davon ausgehe, das irgendwer meine rettung benötigt. die prostituierten, mit denen ich gesprochen hab, haben einen ganz klaren lebensplan. sie machen am sihlquai an einem wochenende mehr geld, als sie zuhause im osten in einem vierteljahr verdienen. sie bauen sich damit ihre kleine boutique auf, sparen für die ausbildung ihrer kinder oder geniessen einfach das leben. sie sehen sich selbst überhaupt nicht als opfer, im gegenteil. sie halten ihr gutes aussehen für ihr kapital. und ein wenig hoffen sie auch, damit vielleicht einen „normalen“ schweizer mann zu betören und zu heiraten…

inzwischen kenn ich doch einige frauen, die in ihrem leben eine gewisse zeit ihre sexuellen gefälligkeiten verkauft haben, zum teil aus not, oft aber auch einfach aus finanziellem interesse.

nicht jede frau kann das ohne psychischen schaden wegstecken, trotzdem bin ich erstaunt, wie offen manche frauen damit umgehen, einmal angeschafft zu haben. 

als ich also letzte woche mit den prostituierten am sihlquai gesprochen hab, kam ein gewisser respekt auf, der das latente mitleid ablöste….

9226622

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Kommentare
  1. Kathrin sagt:

    Tja wer das Opfer ist, ist manchmal Ansichtsache… Eine Hure(find ich persönlich das schönere Wort, als Sexworkerin. Letzteres tönt so nach Sozi-Fuzzi-wir-wollen-deinen-job-schön-reden-Käse. so wie eine Putzfrau zur Raumpflegerin wird.ÄÄÄH), hat oft, auch wenn sie am Sihlquai und nicht in einem Etablissement arbeitet, eine Überlegenheit dem Kunden gegenüber. Nur sind sich das die wenigsten Bewusst;-)

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