medienhandwerk III: journalist werden

Veröffentlicht: Juli 9, 2009 in bildung, erlebnisse, klugscheiss, kultur, leben, medien, Politik, reda, Satire, sinn, stil, zürich
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ok, wir können nun richtig zitieren und richtig recherchieren, jetzt steht unserer karriere als journalist nichts mehr im wege.

als erstes kaufen wir uns ein cord-jacket, ein weisses hemd, verwaschene jeans und adidas tunrschuhe. das ganze krönen wir mit einer umhängetasche (möglichst von freitag). das ist notwendig, um uns von den reportern abzuheben. reporter tragen anorraks und suchen draussen (ja! auf  der strasse) nach geschichten und sprechen mit echten leuten und so.

wir aber sind journalisten. wir telefonieren, googlen und sprechen allerhöchstens mit menschen, wenn uns der lokalsender zu einer intellektuellen diskussion über das gerade medienbeherrschende thema (wahlweise wahlen, jugendgewalt oder jugendgewalt, evt auch wahlen) einlädt. da sitzen wir mit anderen journalisten in cord-sackos und diskutieren.

eine diskussion sieht so aus:

journi 1: ich denke, dass *zitat NZZ* und *zitat Weltwoche*

journi 2: so würde ich das aber nicht sehen. viel eher ist es doch so dass *zitat Zeit*, *zitat Süddeutsche“! Auch den aspekt der *zitat WOZ* muss man berücksichtigen.

moderator (auch ein journi): interessant! wie aber kommen wir dann zu *zitat FAZ* dessen *zitat spiegel* wir nicht berücksichtigt haben?

gut, wir müssen also lesen. möglichst die gängigen zeitungen, aus denen wir uns unsere differenzierte meinung zusammenschustern. merkt euch: als journalist hat man eine MEINUNG zu allem! und man kann sie durch FAKTEN untermauern. (fakten sind das zeugs, dass man in anderen zeitungen liest oder was man so zusammengooglen kann).

jetzt bauen wir unser ego aus. das geht ganz leicht. jedesmal, wenn wir unseren namen gedruckt sehen, wächst es um 11.7 prozent.  wenn unser zeugs von anderen journalisten zitiert wird, erlebt unser ego einen wachstumsschub von 27 prozent!

ok, wir können diskutieren und wir haben eine meinung. jetzt mieten wir uns eine zweitwohnung, weil unser ego inzwischen so angeschwollen ist, dass wir keinen platz mehr zuhause haben.

als nächstes lernen wir schreiben.

ihr denkt jetzt „schreiben? wieso schreiben? ich bin doch journi, wozu soll ich denn auch noch schreiben können?“ aber meine lieben, ohne gehts nicht.

wenn ihr nicht schreiben wollt, geht zum fernsehen. aber fernseh-journis bräuchten einen eigenen workshop. eigentlich bräuchten die einen eigenen blog. nein, die bräuchten einen eigenen planeten!

also, nächstes mal mit stift und papier, bitte!

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Kommentare
  1. […] hier geht zu “medienhandwerk III: journalist werden […]

  2. […] Medienhandwerk III: journalist werden […]

  3. Sue Bebie sagt:

    Hey, Reda, deine Schreibe über Medienhandwerk 3 ist ein echtes Schmunzelding. Grins!
    Da steckt nicht nur ein Körnchen Wahrheit, sondern mindestens ein affenbrotschotenmässiges Teil davon drin.

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