redder bastelt einen karrieristen

Veröffentlicht: Juli 24, 2009 in böse, bildung, geschichten, klugscheiss, kultur, medien, Politik, reda, Satire, sinn, stil, Uncategorized, zürich
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hallo liebe kinder, herzlich willkommen in meiner bastelstunde.

zuletzt bastelten wir eine hippiegriite ein szeni-image und ein partyluder

heute bauen wir uns einen karrieristen. wir beginnen wieder mit einem rohling. wir nehmen die Ken-version, solariumgebräunt.

als erstes entfernen wir das rückgrat, das braucht er nicht. ganz einfach: mit den fingernägeln am steissbein klemmen und das rückgrat langsam nach oben wegziehen.

dann quetschen wir den Kopf in eine konische, spitz zulaufende form. das ist notwendig auf seinem weg nach oben. jeder karriereschritt führt durch den arsch eines vorgesetzten.

dann lassen wir ihn täglich fünf stunden radfahren um die beinmuskeln zu stärken. ihr wisst schon, nach oben kriechen, nach unten strampeln.

jetzt stecken wir den so vorbereiteten roh-karrieristen in einen anzug, ziehen ihm ein hemd mit braunen streifen an (weil jeder karriereschritt… siehe oben)

wir schmücken das ganze mit einer leicht abnehmbaren sonnenbrille. die kann er beim gespräch mit untergebenen und gleichgestellten aufbehalten. nur beim chef muss er sie abnehmen, da die brille den chef beim nächsten karriereschritt kratzen würde (weil jeder karriereschritt… siehe oben)

ok, wir haben jetzt die hülle. jetzt kommt der inhalt.

als erstes lassen wir ihn wirtschaft  und marketing studieren, dann sperren wir ihn sechs jahre in einen nichtssagenden langweiligen job, um genügend ehrgeiz zu generieren.

wir nehmen ein backblech voller 80er jahre managementausdrücke wie „advanced“, „tbd“, „lösungsorientiert“ und „ressourcen“. und schütten es in den geräumigen hohlraum hinter der schädeldecke.

dazu geben wir ein wenig grünes bewusstsein aus den neunzigern (das muss leider, sonst kommt man bei der gutmensch-prüfung nicht durch).

so, jetzt schicken wir den bestens ausgerüsteten in führungskurse. „Zen oder die Kunst ein Gespräch zu führen“, „Teamleitung durch Körpersprache“, Mediation und Konfliktlösung mit Untergebenen“ und „Stressabbau für mittleres Kader“.

beruflich ist er jetzt voll ausgebildet, nun kommen die sozialen Skills. dafür unterziehen wir ihn einem harten training. wir lehren ihn, wie er im toto’s oder im terasse iPhone und BMW-schlüssel auf den tisch werfen kann, dass es beiläufig aussieht. wir zeigen ihm, wie er sich im stuhl zurück lehnen kann und dem gegenüber die volle breite seiner arroganz zu zeigen. wir machen lockerungsübungen, damit er entspannt auftreten kann, auch wenn er innerlich dauernd unter miderwertigkeitskomplexen leidet.

so, damit uns dieses leichtgewicht nicht vom ersten wirtschaftssturm weggeblasen wird, beschweren wir es mit einer rolex an jedem handgelenk.

nun müssen wir ihm nur noch eine erfolgreiche blondine an die seite stellen, eine journalistin, mode-designerin oder malerin, damit auch das musische in seinem leben platz hat, und fertig ist unser karrierist.

für die weibliche version tauchen wir das ganze einfach noch in eine giftige bitterlösung, trocknen sie aus und spitzen die ellbogen zu. vorsicht, verletzungsgefahr!

viel spass, und zerbrecht ihn nicht gleich beim ersten spielen!

dunkle kravatte nicht vergessen:
manager_APUweLein20081017202535

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Kommentare
  1. Ein köstlicher Artikel. Lange nicht mehr so gelacht!
    Passt in so viele Businesswirklichkeiten. Das ist das Traurige.

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