liebe gewohnheiten

Veröffentlicht: August 25, 2009 in beziehung, bildung, erlebnisse, gender, geschichten, kultur, leben, liebe, reda, Satire, single, sinn, stil, Uncategorized, zürich

meine liebsten beiden freunde sind jetzt über fünf jahre zusammen. in der zeit haben sie liebgewordene gewohnheiten entwickelt. zu beispiel, wenn wir gemeinsam essen gehen.

wir brauchen immer mindestens eine stunde, bis sich die beiden einig sind, wo sie was essen wollen.

jedesmal.

endlich entschieden, setzen wir uns auf die plätze. die karte kommt.

sie wählt sich was aus und sagt ihm was er bestellen soll. dann geht sie aufs klo.

jedesmal.

der kellner kommt, wir bestellen.

sie kommt zurück, setzt sich wieder hin.

unser essen kommt.

sie: „du hast meinen salat vergessen zu bestellen!“ wilder blick.

er: „du hast nichts von einem salat gesagt!“

sie: „ich nehm immer salat, nicht so wie du!“

er deutet voller inbrunst auf die drei blättchen garnitur auf seinem fetttriefenden hamburger.

jedesmal.

kurzer waffenstillstand. essgeräusche.

er beginnt pommes und hamburger in sich hineinzuschaufeln.

sie: „du!

er blickt misstrauisch unter den augenbrauen hervor und zieht den teller etwas näher an sich ran.

er: „?“

sie: „iss nicht so schnell! schling doch nicht einfach alles so runter!“

er: „knurr!

jedesmal.

dann noch das kleine gefecht bei der entscheidung ob dessert oder nicht (dein t-shirt spannt schon, der hamburger war doch schon fett genug!)

seit fünf jahren gehen wir zu dritt essen. seit vier jahren spielt sich dieses ritual in der genau gleichen form ab.

und wisst ihr, was mich am meisten überrascht? jedesmal?

die beiden lieben sich wirklich von ganzem herzen!

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Kommentare
  1. Thommen sagt:

    Wie schön! Aus der Gartenlaube herausgeschnipselt und in Zucker getaucht. Igitt!
    Soll ich jetzt klatschen?
    Übrigens nennt man das nicht liebe, sondern „folie à deux“!
    Ich nenne sowas eine „automatische Beziehung bis ans Lebensende“. Und wenn sie nicht gestorben sind…

  2. Thomas sagt:

    Thommen: Das kann durchaus Liebe sein. Ich weiss aus eigener Erfahrung, das solche Dinge a.) meist nicht so gemeint sind wie sie auf Aussenstehende wirken (und der Partner weiss das) und b.) der Spruch „Was sich liebt das neckt sich“ sehr wohl stimmt.

  3. Thommen sagt:

    Es gibt verschiedene Arten von Liebe. Pathologische und kreative.
    Wir beginnen mit der Gewöhnungsliebe in der Kindheit und bleiben meistens im Sex stecken. Die freie Liebe, wie sie zB Jesus verstand lernen die wenigsten kennen. Die hat auch nichts mit einer solchen Art von Beziehung zu tun.
    Aber man kann auch lebenslang in der Gewöhnungsliebe verweilen und hie und da einen Ausluf in die Sexualität unternehmen! Gemeinsame oder jedeR separat! 😉

    Ich habe oft den Eindruck, dass Heterosexuelle eine Art von Geschwisterliebe praktizieren, einfach mit Sexualität als Zugabe.

  4. Thomas sagt:

    Also freie Liebe haben die Hippies verbreitet, nicht Jesus. Aber das nur so ein Detail am Rande.

    Also darf man sich deiner Meinung nach nicht streiten, wenn man sich liebt?

  5. soerli sagt:

    … wenn jesus mit zum essen geht, dann sind sie zu viert und nicht mehr zu dritt, dann macht es einfach keinen spass mehr

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