grosshaendige schulterklopfer

Veröffentlicht: September 26, 2009 in böse, bildung, erlebnisse, gender, geschichten, klugscheiss, kultur, leben, reda, Satire, sinn, stil, terror, Uncategorized, zürich

gestern war ich mal wieder bei den „boys“. sie nennen sich selber „boys“. sie sind alle ueber 45, tragen markenklamotten (rosa polo-shirts mit krokodil), ray ban-sonnenbrillen hochgesteckt und besitzen porsche cayenne-schluessel, die neben ihren iPhones auf dem tischchen im toto’s liegen.

die boys trinken martini mit erdnuss, haben brusthaare, in denen sich goldanhaenger verfangen und sind beruflich alle so erfolgreich, dass sie nicht mehr ueber ihr einkommen jammern. zudem duzen sie ihren chef und sind ab und an bei ihm zum essen eingeladen, wenn sie denn nicht selber der chef sind.

die boys moegen mich, weil ich so anarchstisch bin. die boys zeigen das auch. ich kriege einen festen haendedruck, kombiniert mit einem intensiven druecken der schulter. und dann krieg ich einen grosshaendigen schulterklopfer und der dritte legt mir gar den arm um die schulter und lacht eine ganze polnische zahnreparatur-breite.

aber heisst das wirklich, dass sie mich moegen?

ein schulterklopfen bedeutet zum beispiel nicht in erster linie anerkennung. vielmehr sagt ein schulterklopfen ueber den schulterklopfer:

„ich bin der, dessen anerkennung wichtig ist“.

den arm auf die schulter eines anderen legen, kann freundschaft ausdruecken, meint aber meist:

„du gehoerst jetzt auch zu UNS. und WIR sind die Wichtigen, zu denen man gehoeren muss“.

meist wird man mit einem arm um die schulter irgendwo hingefuehrt, wo man eigentlich gar nicht hin will.

naja, ich mag es grundsaetzlich nicht, wenn jemand in meinen persoenlichen physischen raum eindringt und micht unaufgefordert beruehrt.

mein persoenlicher raum findet ungefaehr 50 zentimer rund um mich rum statt und sensible menschen spueren, wie nahe sie mir kommen duerfen.  zudem empfinde ich schulterklopfer und arme-auf-die-schulter-leger immer als herablassend.

was ich tat also? nein, ich habe ihm nicht mit zwei drehungen die hand an fuenf stellen gebrochen, wie ich es leicht gekonnt haette. ich hab dem anderen auch nicht den unterarm so umgestaltet, dass die aerzte seine 400 gramm schwere protzuhr mit dem bolzenschneider entfernen muessten. aber ich war in versuchung…

dem festen haendedruck begegnete ich, indem ich meine hand schlaff wie einen toten fisch in seine haengen liess. dann lassen sie immer sehr schnell los.

und den schulterumarmer schlug ich in die flucht, indem ich zaertlich den kopf an seine schulter legte. im notfall kann man sich auch buecken und schnell seine schuhe binden.

ok, die werden mich jetzt nicht mehr moegen. weil ich anarchistisch bin, und vielleicht ein wenig dada. und weil ich nicht dazugehoeren will.

und anarchistische satire ist kuul, solange andere das ziel sind. wenn ich aber an einem ihrer „boys“-gespraeche teilnehme und mich komischerweise nicht an die regeln halte, ist der joviale zugehoerigkeits-firlefanz bald vorbei und sie werden giftig.

dann mag ich sie wieder…. 🙂

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