sterblichkeit und urwald

Veröffentlicht: November 4, 2009 in bildung, erlebnisse, geschichten, klugscheiss, kultur, leben, reda, Satire, sinn, stil, Uncategorized
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Hier im dschungel wird mir bewusst, dass ich ein echtes stadtkind bin.

Mit unzureichenden spielzeugen aus silicon, stahl und plastic versuche ich mich gegen die offensichtliche vergaenglichkeit des lebens zu schuetzen, nicht bewusst, dass meine spielzeuge noch lange ihre form halten, wenn mein koerper bereits vergammelt ist.

Hier ist der unaufhaltsame kreislauf des lebens ueberdeutlich. Ein tier stirbt, faellt in den glitschigen schlamm, wird gleich von irgendwelchen glubschaeugigen insekten wieder verwertet, die dann ihrerseits von irgendwelchen buntgefiederten voegeln gefressen werden.

Deren junge werden futter fuer eichhoernchen (ja, die fiesen viecher sind boese nestraeuber, imfall) und so weiter.

Der dschungelboden wimmelt von leben, was irgendwie noch deutlicher wird, wenns regnet.

Die glitschige, schleimige konsistenz des schlamms erinnert irgendwie an sperma, plazenta und andere koerperfluessigkeiten und schleimhaeute, die fuer die menschwerdung unabkoemmlich sind

Es ist anders, als in der gemuetlichen stube uebers leben zu philosophieren. Hier wird mir nur zu bewusst, dass ich auch ein teil dieses kreislaufs bin.

Naja, der gedanke an wiedergeburt ist gut und schoen. Aber hier kriegt diese spirituelle ansicht einen durchaus realen aspekt. Und wer will schon als made wiedergeboren werden, die sich an seinem leichnam guetlich tut?

Die baeume schlagen ihre wurzeln in eine schicht aus myriaden von leichen, ziehen ihre kraft daraus und produzieren nette, suesse fruechte, die wir dann in unsren desserts wiederfinden…

Egal.

Aufgefallen ist mir nur, dass wir westler mit grossen vierradbetriebenen trucks, goretex—klamotten, gummistiefeln oder kampfstiefeln in den dschungel gehen. Moeglichst immer eine sicherheitsschicht zwischen uns und dem urwald.

Die indios rennen nackt und barfuss durch den regenwald.

Ich wuerde da nur sagen:

waeek! Huere gruusig!

Tarzan war ein unzivilisierter oeko-hippie und die natur ist voll veraltet.

Zum glueck gibts die zivilisation, die mich troestlich darin unterstuetzt, meine sterblichkeit zu leugnen und die eine dicke schicht plastic zwischen mich und diesen unsaeglichen lebenden urschleim packt.

Imfall.

tarzan460

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Kommentare
  1. Sofasophia sagt:

    so viel leben ist ja kaum auszuhalten! gopf, bin ich froh, dass es die zuvielisation gibt!
    und dir dank ich, dass ich das endlich mal wieder gecheckt habe!
    😉

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