Archiv für November, 2009


der neue typ vom verlag:

„naja, nicht schlecht, die ganzen zürich texte. aber sie brauchen einen anderen künstlernamen. das arabische multikulti-zeugs spricht in der szene nicht mehr so an, vorallem wenn sie im ganzen deutschsprachigen raum veröffentlichen wollen.“

ich:

„welcher künstlername“

34 sekunden schweigen, tuscheln am telefon.

er:

„oh, tut mir wahnsinnig leid“


mein lieblingsgoldjäckchen, die blonde russin, ist offenbar aus dem seefeld weggezogen. heute mittag hab ich sie mal wieder im tram getroffen, mit freundin.

goldjäckchen: „ich muss immer parkplatz finden hier, ist schwär“

freundin: „wie gefällts dir in feldmeilen?“

goldjäckchen: „ist viiel schener. nur zum einkaufen muss ich jedän tag in die stadt, aber ruddi (ruedi, nehm ich an) hat jetzt grosses chaus fur mich und tatjana (die tochter, hoff ich)“

freundin: „besser als im seefeld?“

goldjäckchen: „viiel bessär. chat gute nachbarschaft, weisst du. nicht soviele auslander, nur simon estes, er ist schwaaarz. aber er macht oper, ist nicht gefehrlich.“

freundin: „aber das seefeld ist ja auch nicht die schlechteste adresse“

goldjäckchen. „das ist vorbai. jetzt wohnen nur noch auslander da.“

freundin: „ausländer?“

goldjäckchen: „meine alte haus ist jetzt voll von deitschen!“


ich bin die nächsten wochen voll ausgebucht. ich bin mit nichteinkaufen von weihnachtsgeschenken beschäftigt.

ihr gehört sicher auch zu einer der kreise, in dem alle schwören (ich schwör!), sich keine weihnachtsgeschenke zu machen und dann doch alle am 24. mit „einer kleinigkeit“ dastehen.

das ist gemein.

hält man sich an die abmachung, ist man ein geizhals, macht man geschenke, ist man inkonsequent.

ich hab mich dieses jahr dafür entschieden, wirklich kein einziges geschenk zu kaufen. wenn man nämlich mal beginnt, muss man an alle denken.

so schleiche ich durch die weihnachtliche konsumoffenive, bestaune mit grossen sehnsüchtigen augen all den schrott, den ich meiner verwandschaft andrehen könnte und gehe traurig und unbefriedigt nach hause. das ist anstrengend!

das einzige, was wirklich hilft, ist, wenn ich einfach mehr schrott für mich selbst kaufe….


eigentlich wärs der ideale anlass, das land wieder mal aufzumischen und frische luft in die köpfe zu blasen: die studentenproteste der unis bern, basel und zürich. nur, das sind eher revöltchen als revolution und widerstand.

man darf angehenden akademikern den widerstand nicht überlassen. anstatt griffige parolen wie

„freiheit oder tod!“

oder

„macht kaputt, was euch kaputt macht“

oder auch nur

„weg mit den alpen, freie sicht auf bologna!“

hocken sie sich hin und erarbeiten während einer woche einen 28 seitigen forderungskatalog mit realistischen und brauchbaren änderungsvorschlägen.

wo bleibt da der spass? nix rumschreien, keine faulen eier schmeissen und nix anzünden? das ist doch kein protest. das sind ungehorsame schüler…

in den 70ern, als intellektuelle die studi-revolte übernahmen, waren sie zum schluss so frustriert, dass sie terrorgruppen bilden mussten, um ihren inneren frieden wieder zu finden. die schriften von meinhof und co sind so verschwurbelt, dass nicht mal politologie-professoren sie verstehen…

studenten, die so wohlorganisiert sind, dass sie sauber statistisch erfasst werden können, haben nichts anderes als die bologna-reform verdient.

das waren noch zeiten:


ich liebe tiere, ich schwör. und ich würde auch nie eins quälen, solange es mir nichts tut.

ich habe aber so meine schwierigkeiten mit den leuten, die tiere nicht nur vermenschlichen sondern vergöttern.

ja. finn soll schnell gesund werden. ja, finn ist ein armer bär. aber ihn über den haufen zu schiessen, als er versuchte einen geistig behinderten mann in stücke zu reissen, war ok. angemessen.

wo waren die tränenüberströmten finn-fans als der bär in den käfig kam? wo waren die tierliebenden, als der berliner starbär knut seine jugend im gefängnis erleben musste? zur unterhaltung gelangweilter städter?

ja, ich mag wilde tiere. aber ich mag sie lieber da, wo sie hingehören.

ich hab nichts gegen haustiere. hunde und katzen und hamster und was weiss ich. ich finde man darfs sie auch liebhaben.

aber wenn diese liebe dazu führt, dass frauchen ihren miniköter solange mit „leckerlis“ abfüllt, bis er an einer leberverfettung stirbt oder ihr büsi so verhätschelt, dass es einen therapeuten benötigt, habe ich meine mühe.

zudem: bevor ihr wegen der tiere weint, kümmert euch um die menschen. da verhungern doch immer noch ein paar jede stunde, nicht?

finn, bevor er straffällig wurde:

lollipop

Veröffentlicht: November 24, 2009 in bildung, kultur, leben, liebe, musik, sinn, soundblog, stil

einfach um ein wenig gute stimmung zu verbreiten: „sweeter than a applepie“

paranoid

Veröffentlicht: November 23, 2009 in bildung, erlebnisse, geschichten, kultur, leben, reda, Satire, sinn, stil, zürich

es ist schwierig, sich wieder in einer stadt einzuleben, in der ich menschen kenne.

konnte ich in panama völlig anonym zwischen den leute rumspazieren, passiert es hier, dass mir irgendwer zunickt, zulächelt oder mich sogar grüsst.

da mein kopf wegen des jetlags noch nicht wirklich funktioniert, weiss ich nie, wen ich denn jetzt kennen müsste. schon treffen die ersten mails und smsen ein mit:

„du hasts wohl nicht mehr nötig. ich lächle und du grüsst nicht mal!“

so renne ich mit breitem lächeln durch die stadt, grüsse gross und klein, nicke allen manisch zu, klopfe irgendwelchen leuten auf die schulter und schüttle auf gut glück irgendwelche hände.

ich bin froh, wenn ich endlich wieder in meiner wohnung bin, tür abgeschlossen und läden heruntergelassen….

fuck forever

Veröffentlicht: November 23, 2009 in bildung, kultur, leben, liebe, reda, sex, soundblog

weils irgendwie einfach kult ist

Blowjob von KLM

Veröffentlicht: November 22, 2009 in böse, bildung, erlebnisse, geschichten, kultur, leben, liebe, reda, reise, sex, stil, terror

ich hab ja meinen rueckflug von panama bei KLM gebucht. ein fehler. letztes mal, als ich mit KLM geflogen bin, haben sie den passagieren die verspätung mit folgender durchsage erklärt:

„sehr geehrte passagiere, leider verzögert sich unser abflug, weil wir maschinenprobleme mit dem linken triebwerk haben und es eventuell austauschen müssen.“

alle waren genervt. dann die zweite durchsage:

„sehr geehrte passagiere, wir konnten die maschinenprobleme beheben, ohne dass das triebwerk ausgetauscht werden musste. boarding in wenigen minuten.“

ziemlich beruhigend, nicht?

dieses mal erklärten sie die verpätung damit, dass die crew nicht aufgefunden werden konnte.

ich stand also da, in der boardingreihe, und stellte mir vor, wie angestellte der KLM einen versoffenen holländischen flugkapitän mit gewalt aus den armen von drei panameischen prostituierten rissen, ihn im taxi auf dem weg zum flughafen rasierten und ihm kaffee einflössten.

die stewardessen sammelten sie unterwegs in irgendwelchen privatclubs auf, wo sie das leben eines milliardenschweren panamesischen reeders versüssten.

kaum war ich fertig mit dem gedankengang, da tauchte die crew auch schon auf. ein zerknitterter kapitän und sechs hübsche blonde stewardessen. haben sie sich für die verspätung entschuldigt? nein.

sie gingen in einer reihe an den passagieren vorbei, und ich schwör, alle sechs frauen haben den passagieren zugewinkt und gezwinkert.

eine gruppe chinesicher matrosen, die aus irgendwelchen gründen nach amsterdam flogen, war davon so beeindruckt, dass sie den blonden schönheiten applaudierten.

aber echt, um meinen ärger zu besänftigen, dass sie schon auf dem hinflug mein gepäck verlegt hatten, reicht ein wenig winken nicht aus. da haette schon ein blowjob fuer jeden reisenden rausschauen müssen.

zeit hätten sie genug gehabt, war ja schliesslich ein langstreckenflug…

die mutprobe

Veröffentlicht: November 19, 2009 in bildung, erlebnisse, geschichten, klugscheiss, kultur, leben, reda, reise, Satire, sinn

naja, die letzte nacht in panama, und ich habs noch nicht geschafft, ueberfallen zu werden. ja, ich weiss, ich haette nach colon gehen sollen, da gibts ne ueberfall-garantie. aber die strassen dahin sind so schlecht.

aber natuerlich hab ich nichts gescheut, um einen spannenden blogbeitrag fuer meine leser zu schreiben.

ich stieg also mitten in der altstadt von panama-city in einem hostel mit jeder menge traveler (so hippiekacke mit gitarren und dreadlocks) ab. sehr nette leute, malerische lage etc. wirklich huebsch. und ein raucher-hostel…

ok, etwa 5 minuten von meinem  hostel entfernt gibts den besten kaffee in panama-city. ich mach mich also auf, schlendere durch dunkle gassen im nicht sehr reichen quartier. nichts geschieht. es sind nicht mal mehr leute unterwegs, obwohls noch nicht spaet ist.

ich komm unbeschadet und nicht ueberfallen im „coca-cola“-cafe an, trinke in ruhe meinen kaffee, spaziere dann noch ein wenig die avenida central entlang und mach mich wieder auf den rueckweg.

jetzt ist es wirklich dunkel, es gibt keine strassenlampen und der wind treibt zeitungsfetzen durch die muellverschmutzten strassen (enio morricone-musik „tuliluliluuuu— nananaaa“).

jetzt, denke ich kommt endlich mein ueberfall. und im gleichen augenblick hoere ich schritte hinter mir.

natuerlich drehe ich mich nicht um. das waere ein zeichen von schwaeche.

die schritte folgen mir, werden schneller.

ich behalte mein tempo bei, mein herz schlaegt mit 120 schlaegen in 53 sekunden. es ist stockfinster, das naechste licht an der kreuzung, etwa 30 meter entfernt.

ich schaffe es, bis zum licht zu kommen, bevor mich die schritte erreichen.

leider ist das etwa 12-jaehrige maedchen in schuluniform, das mich ueberholt, nicht der erwartete gegner.

naja, abenteuer lassen sich nicht erzwingen, und nervenkitzel findet man ueberall.

man braucht nur eine rege fantasie…

🙂