Archiv für November, 2009

schreiben als geschaeft

Veröffentlicht: November 18, 2009 in bildung, erlebnisse, geschichten, kultur, leben, medien, reda, reise, stil

Hier in panama hat der beruf „schreiberling“ eine ganz andere bedeutung.

Da ein grossteil der bevoelkerung immer noch analphabeten sind, kann man hier sein geld mt briefeschreiben verdienen.

Man setzt sich in den kleinen park vor dem „coca-cola“-cafe und schreibt anwaltsbriefe. Liebesbriefe, briefe an mama und so weiter.

Handgeschriebene briefe gibts sofort, maschinengeschriebe am naechsten tag.

Sollte also die krise in der medenbranche weiter anhalten, brauche ich nur spansich und eine vernuenftige rechtsschreibung zu lernen, und ich brauche mir keine sorgen um die zukunft mehr zu machen…

🙂

nicht so tragisch

Veröffentlicht: November 18, 2009 in bildung, geschichten, klugscheiss, kultur, leben, reda, reise, sinn

philosophisches gespraech am abend.

ich: das ganze drama geht mir auf den sack

er: welches drama

ich: naja, die menschen, das leben, das universum und der ganze rest

er: ?

ich: ja, die leute machen viel zu viel drama. trennungen, job, liebe, todesfaelle. du weisst schon, der ganze pathetische scheiss. das ist alles karma.

er: ja, aber die leute leiden eben. und dem muessen sie ausdruck verleihen.

ich: alles egozentrischer schwachsinn. jeder nimmt sein leiden viel zu wichtig. die sachen, die man aendern kann, sollte man aendern, mit den sachen, die man nicht aendern kann, muss man sich sowieso abfinden. persoenliches leid, abgesehen von hunger und krankheit, ist ueberbewertet. in 100 000 jahren interessiert das kein schwein mehr. dann sind wir nur noch dreck und asche. also, wieso sich aufregen?

er: hm.

wir schweigen eine weile, trinken kaffee.

ich hole mein zerknuelltes zigipaeckli hervor und will mir eine anzuenden.

ich: WAAAAAAAAHHH! ich hab keine zigis mehr und der shop hat bereits geschlossen!!!!

er: ach komm, in 100 000 jahren interessiert das kein schwein mehr.

der innere schweinehund

Veröffentlicht: November 17, 2009 in bildung, erlebnisse, klugscheiss, kultur, leben, reda, Satire, sinn, stil
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wer kennt ihn nicht? den inneren schweinehund?

die meisten versuchen, ihn zu ueberwinden. sich einem kampf mann (frau) gegen schweinehund zu stellen.

toootal falsch. ein aussichtsloser kampf. man ueberwindet den inneren schweinehund naemlich nie. hat man ihn einmal besiegt, steht er am naechsten morgen etwas groesser und fitter wieder vor der tuer.

der aufwand, ihn zu besiegen wird immer groesser, bis man ihm schliesslich nachgibt und sich als totaler verlierer fuehlt.

aber was soll man denn tun? eigentlich ganz einfach. es ist wie in einer partnerschaft. man setzt sich mit dem inneren schweinehund an einen tisch, trinkt eine tasse kaffee und kommuniziert.

zuerst legt man drei oder vier imperative fest, die die grenzen bezeichnen. bei mir waren das: keine drogen, kein alkohol, puenktlich sein und ehrlichkeit mir selbst gegenueber. das sind die grenzen, darueber wird nicht diskutiert. da muss ich nicht mal drueber nachdenken.

fuer andere koennen es auch andere dinge sein: keine schokolade zum fruehstueck, kein sex mit dem nachbarn, einmal woechentlich sport oder son zeugs eben.

der rest ist verhandlungssache. wie bei allen partnerschaften gibt mal der eine, mal der andere nach. man diskutiert, fuehrt innere dialoge im stil von „nu hoer ma, schweinedingens, so nicht. letztes mal hab ich nachgegeben, diesmal bist du dran“

ihr werdet feststellen, dass dies zu einer balance in eurer psyche fuehrt. vielmehr als verbissenes kaempfen und ueberwinden.

aber noch viel befriedigender ist es, wenn man mit seinem inneren schweinehund gemeinsam irgendwas schoenes unternimmt.

kekse im bett isst, eine zigarette mehr als geplant raucht, beim dessert zweimal zugreift oder samstags mal gar nichts macht, auch wenn sich die aufgaben stapeln.

wer gegen den inneren schweinehund ankaempft, wirkt zwar erfolgreicher, aber auch verbissener.

zenmeister kawasaki sagt:  akzeptanz der eigenen schwaeche ist teetrinken mit dem inneren schweinhund. nur zusammen seid ihr stark wie der kirschbaum im fruehling.

ex-boyfriend

Veröffentlicht: November 15, 2009 in beziehung, erlebnisse, gender, geschichten, kultur, leben, liebe, reda, Satire, single, stil

gestern hab ich einem gespraech ueber einen ex-freund gelauscht. zwischen zwei frauen, die beide mit dem typen zusammen waren, teilweise zur gleichen zeit, wie sie spaeter rausfanden.

„er hat ein angeknackstes selbstbewusstsein“

„ja, und einen uebersteigerten geltungsdrang“

„er ist ein mieser kerl“

„ich hab gehoert, dass er beruflich auch nichts mehr auf die reihe kriegt“

„zuhause in den staaten kriegt er keinen fuss auf den boden“

„er getraut sich nicht mal mehr zurueck in diese community“

„er logt sich nicht mal mehr bei facebook ein“

beide: „er ist ein scheisskerl“

beide (unheimlich glaubwuerdig): „aber es ist vorbei, das ist vergangenheit“

ich dachte gerade darueber nach, ob der kerl auch irgendwelche guten seiten hatte. schliesslich sind beide auf ihn geflogen.

„ja, er hatte soziale skills“

hm, dachte ich, sicher konnte er sich gut vernetzen. wenigstens mit frauen….


ueber sex nachdenken ist wohl zur zeit das einzige, was mir uebrigbleibt. weil hitze schmilzt die libido.

naja, nach einer weile ohne ueberwaeltigende lust, macht mann sich dann schon irgendwie sorgen. mann geht in sich.

unter der dusche:

man stupst sein bestes teil mit der fingerspitze an, wie man es etwa bei einer toten ratte tun wuerde.

„he du. lebst du noch?“

*stups*

„AUFWAAAACHEN“

*ungeduldig weiterstups*

„wir muessen mal ein ernstes wort miteinander wechseln“

*stups*

„du weisst, das ganze beruht auf gegenseitigkeit, gell. ich trete auf wie der groesste liebhaber aller zeiten, und du sorgst dafuer, dass das auch stimmt.“

*genervt im takt der worte weiterstups*

„nun stell dich nicht tot. nachts wenn ich schlafe, stehst du ja auch auf. wer weiss, was du dann alles anstellst!“

und siehe da, die ganze stupserei hat ihn schliesslich aufgeweckt.

naja, wenigstens bis wir unter der dusche hervorkommen und wieder in der hitze stehen……

immer adaequat angezogen

Veröffentlicht: November 14, 2009 in bildung, erlebnisse, familie, geschichten, kultur, leben, reda, reise, Satire, sinn, stil, zürich
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ihr wisst ja, ich bin ein zuercher. ich bin zwanghaft, was mein aeusseres angeht, eitel mit dem richtigen mass an understatement. mein vater meinte mal: „Wir (die El Arbis) sind schon auffaellig genug, wir muessen uns nicht auch noch kostumieren (womit er mein punk-outfit und meine bunten haare meinte)“.

heute gebe ich ihm recht. was nicht heisst, dass ich mir meine verwaschenen jeans nicht masschneidern lassen kann. 🙂

hier in panama hab ich natuerlich nicht meine ganze garderobe zur verfuegung. deshalb muss ih improvisieren, wenn ich zu jeder gelegenheit passend angezogen und meinem eigenen massstab gerecht werden will. und es kann soooo vielseitig sein! 😀

dinner mit freunden in der stadt:
jeans, weisses hemd, ueber die hosen haengend, die aermel bis zu den ellbogen hochgekrempelt, braune converse

tote hosen-konzert:
jeans, hochgerollt, weisses hemd offen, darunter ein proletenunterhemd von schiesser, braune converse nur zur haelfte geschlossen

treffen mit einem der bigshots vom smithsonian:
jeans, weisses hemd, die manchetten zugekoepft, hemd in der hose, dunkelblaue converse

tropenparty mit den amis:
jeans, weisses hemd ueber die hose haengend, einen knopf weiter geoeffnet als sonst, aermel so hochgekrempelt, dass sie ueber den oberarmmuskeln spannen, jeans ein wenig hochgerollt, flipflops

besuch auf der forschungsstation auf BCI:
jeans, verflecktes weisses hemd, aermel haengend, kampfstiefel

shoppingnachmittag in der grossen mall in panama city:
jeans, weisses hemd, so eng, dass der verkaeufer die dicke brieftasche sieht. aermel grad soweit hochgerollt, dass die taschendiebe die tattoos sehen und es sich nochmals ueberlegen. dazu wahlweise braune oder blaue converse

dazu traegt man verschiedene abstufungen bartwuchs: ganz glatt (tote hosen) bis graumelierter strubbel (Smithonian Bigshot)

da soll nochmals einer sagen, ich sei nicht vielseitig und abwechslungsreich. nur weil andere den feinen unterschied nicht sehen, heisst das nicht, dass er nicht da ist!

😀

hier auf plantagenbesichtigung: weisses hemd, jeans und 1 1/2 tagebart

redders 0016

erbsuende

Veröffentlicht: November 14, 2009 in bildung, erlebnisse, geschichten, klugscheiss, kultur, leben, reda, sinn, stil, terror

jaja, wir kennen die geschichte alle. gott war stinkig, weil adam und eva einen apfel geklaut und dadurch bewusstsein erlangt haben. irgendwie hat mich die story nie wirklich ueberzeugt.

was nicht heisst, dass es keine erbsuende gibt. nur sieht die ein wenig anders aus.

ich war im paradies:

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strand, sonne, weit und breit kein wuetender gott. aber ich hab unsere suenden und die unserer vorfahren seit den 50ern gefunden.

so siehts an einem durchschnittlichen pazifischen strand aus:

DSC01840

oder so:

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die kleinen dinge wie plastikverschluesse von petflaschen oder plastikringe von sixpacks sind am schlimmsten, das fressen die voegel oder verheddern sich drin und verrecken.

wie gesagt, ich bin kein militanter gruener, aber ich bin ein egoist. und als solcher will ich in einer intakten umwelt leben.

da draussen schwimmen noch die ersten plastikflaschen herum, die je hergestellt wurden. und wenn wir heute eine ins gruene schmeissen, koennen sich noch unsere urenkel darueber aufregen.

das ist erbsuende.

die toten hosen live @panama city

Veröffentlicht: November 14, 2009 in bildung, erlebnisse, kultur, leben, musik, reda, reise, soundblog, stil, terror
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meine eigenen filme haben leider bei der tonqualitaet versagt, aber neben mir scheint jemand gefilmt zu haben. her einige eindruecke von einem hosen-konzert vor etwa 300 leuten. 🙂

hier

und hier:

der flug

Veröffentlicht: November 14, 2009 in bildung, erlebnisse, geschichten, kultur, leben, reda, reise, Satire
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ich flieg ja fuer mein leben gern. auch in kleinen maschinen.

hier in panama hat das fliegen jedoch so seine tuecken. auf dem weg von panama-city zu einer kleinen pazifik-insel hab ich meinen frieden mit gott gemacht. und mit allah. und mein buddhistisches karma-konto einer tieferen ueberpruefung unterzogen.

am nationalen flughafen durften wir unser flugzeug besteigen. eine zweimotorige maschine unbekannter herkunft.

wahrscheinlich gibts die firma, die es gebaut hat, schon seit den sechzigern nicht mehr, da sie infolge zu erbringenden versicherungsleistungen kunkurs gemacht hat.

ok, ich liess mich nicht von den brandgeschwaerzten flugeln abschrecken, sondern stieg mutig die wackelige treppe empor.

drinnen setzte ich mich auf einen sitz (jeder sitzt, wo er gerade will) und wollte mich angurten. das flackernde lichtzeichen neben dem cockpit wies mich ausdruecklich darauf hin.

naja, die eine haelfte des gurtes hab ich gefunden. egal, im notfall haette ich mich mit beiden haenden daran festklammern koennen. obwohl, irgendwie bezweifle ich, dass mich ein sitzgurt bei einem absturz retten koennte. auch kein halber…

aber ich war froh, aus dem tropenregen wieder im trockenen zu sein.

mehr oder weniger. auf meiner seite tropfte der tropenregen direkt auf meinen sitz.

ha, werden jetzt viele denken, das war bestimmt kondenswasser der klima-anlage.

ha, lache ich zurueck, klima-anlage! von einer klima-anlage traeumt dieses flugzeug, wenn es betrunken ist. tz.

ausserdem braucht es keine klima-anlage. in hoehen, wo es kalt genug waer, um eine heizung zu brauchen, kommt dieses teil nicht mal, wenn alle passagiere in die luft springen. ausserdem hatte es frischluftzufuhr.

wir starteten, waehrend der pilot irgendeine durchsage machte (wahrscheinlich „fasten your seat belt“ hehe, oder „rauchen ist auf der toilette veboten“)

alle panamenos waren noch intensiv mit ihren handys beschaftigt. telefonieren, sms schreiben, was man halt so macht, waehrend ein flugzeug gerade startet.

in der luft regnete es wenigstens nicht mehr auf meinen sitz, da der kabinen innendruck hoeher war und die schlechte luft nach draussen entwich.

der flug war ruhig, der pilot ein profi.

als wir dann die insel anflogen, konnte ich durchs fenster sehen, dass die landebahn quer ueber die insel, von einem kleinen strand zum anderen reichte.

naja, wir waren sicher nicht die ersten, die da landeten.

mulmig wurde es erst, als ich im landeanflug durch die frontscheibe im cockpit den strand, die brandung und sonst nicht mehr sehen konnte.

aber ich lebe noch. der pilot landete echt sanft…

das cockpit: einige geraete wurden entworfen, als die menschen noch dachten, die erde sei flach:
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die geschwaerzten fluegel konnten mich nicht beeindrucken:
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redders krokodil

Veröffentlicht: November 10, 2009 in bildung, geschichten, leben, reda, reise
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ich bin jetzt schon eine weile in panama unterwegs, hab auch schon einiges gesehen. dingsdas, rotaugenfroesche, pfeilgiftfroesche, fledermaeuse und vieles mehr.

ich hab mich an den verschiedensten orten rumgetrieben um ein krokodil zu sehen. und siehe da: wieso in die ferne schweifen, das krokodil liegt so nah. unter der terrasse des naechsten restaurants haengt manchmal eines rum.

es heisst herbert (ich weiss, die tiere hier sind etwas fantasielos, was  die namenswahl angeht) und es ist ueber zwei meter lang.

o-ton der panama-forscherin: „das ist ein kleines“.

hmpf. ich lass mir mein krokodil nicht kleinreden. ueber zwei meter reicht mir allemal. fuer meine verhaeltnisse ist das riesig. das groesste, das ich je in freier wildbahn gesehen hab (und das einzige).

hier haengt herbert zwischen kanal-treibholz rum:

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und hier zeigt er, dass er kein karies hat:

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und vergesst nicht, alle bilder wurden mit einer 100 franken-billigstkamera geschossen….