liebe autonome

Veröffentlicht: Februar 8, 2010 in böse, bildung, medien, Politik, reda, Satire, sinn, stil, terror, zürich
Schlagwörter:

liebe autonome

Reclaim The Streets, sollte eigentlich heissen, die strassen zurückzuholen, nicht, sie dem erdboden gleichzumachen.

ich weiss, ihr wollt eine bessere welt. gleich jetzt. ist ja auch verständlich. was unverständlich ist, ist eure reaktion, wenn ihr nicht gleich kriegt, was ihr wollt.

ihr geht wie kleine kinder in euer zimmer und macht eure spielsachen kaputt.

ja, und es ist eure stadt, die ihr verwüstet. hat euch das noch niemand gesagt?

„macht kaputt, was euch kaputt macht“.

jaja. aber ehrlich, wo genau macht euch ein schaufenster das leben schwer? wo greifen gelbe abfallkübel in eure freiheit?

„ja, aber die bösen banken!“

ja, die bösen banken. die haben gerade x milliarden ins klo gespült und sind dabei noch nicht mal ins schwitzen gekommen.

die regen sich sicher unheimlich über ein paar kaputte scheiben und ein paar sprayereien auf.

was denkt ihr, wer die kaputten scheiben bezahlt? die versicherung? und wer bezahlt die versicherung? ihr deppen, mit euren prämien!

ihr habt schon was erreicht mit eurer aktion vom samstag. die bullen werden jetzt mit mindestens 2000 mann bei jeder hundsverlochete erscheinen, die von ein wenig lauter musik begleitet wird.

RAF-Doktrin?

„ihr müsst den konflikt verschärfen, damit das volk hinter euch steht. durch mehr repression ensteht mehr widerstand“.

jau, das volk. das saudumme.

die meinen nämlich, ihr seid idioten. das faule pack will sich einfach nicht der revolution anschliessen, solange die revolution nicht ihre krankenhausbesuche und die ausbildungen ihrer kinder bezahlt.

ich erklär euch, wie ihr was verändern könnt:

seid keine arschlöcher.
dann bringt euren kindern bei, keine arschlöcher zu sein.
wenn die dann ihren kindern beibringen, keine arschlöcher zu sein,
haben wir in drei generationen eine etwas bessere welt.
DAS ist revolution!

und was mich befähigt, euch das alles zu sagen?

ich war einer von euch. unausgereift, radikal und vor allem soooo verliebt in mein revolluzer-image, dass ich echte politische aktion nicht erkannt hätte, wenn sie mich in den arsch gebissen hätte!

in diesem sinne:

viva la revoluçion, compadres!

Advertisements
Kommentare
  1. till sagt:

    Noch anzufügen wäre wohl die Ausübung und spezifische Forderungen nacch positiven Freiheitsrechten…wie zum Beispiel Partizipation am politischen Prozess…tönt zwar langweilig..ist aber in einer von negativen Freiheiten konstituierten kapitalistischen Gesellschaft effektiv dass was einer Revolution am ehesten noch Möglichkeiten verschafft.
    Warum finden alle Schaufenster kaputt machen doof und asi? wie du richtig bemerkst gibt es in einer atomisierten Gesellschaft (atomisiert weil jeder lediglich Rechte und Anreiz hat die eigene Wohlfahrt zu verfolgen und dementsprechend auch nur dann am pol. Prozess partizipiert wenn er/sie unmittelbar davon betroffen ist und dies auch vornehmlich finanziell…“gang uf facebook bruchsch en friend..min nachbar hät kä netz meh kha sich d wuche druf erhängt“ ) keine reelle chance auf irgendeinen kollektiven, Klassenübergreiffenden revolutionären Akt (schon alleine weils keine Klasse mit Klassenbewusstsein mehr gibt…hab mal bei einem Meinungsumfrage Unternehmen gearbeitet..ist erstaunlich wie weit die Einkommensunterschiede sein können und sich doch noch alle als Mittelstand bezeichnen:)…kurzum..das establishment hat schon lange ein paar echt starke Punkte gemacht indem es jeglichem organisierten Wiederstand den Anreiz nam. Was ab diesem Punkt als Möglichkeit dienen kann ist die Bildung von Issue spezifischen advokativkoalitionen oder die globale Organisation von Minderheiten…RTS finde ich trotzdem ne gute Sache, schon alleine wegem dem Bild und der polarisierenden Kraft auch wenn kaum effektive politische Ziele auf diese Art und Weise erreicht werden können.
    ml

  2. Applaus, Applaus. Und wie machen die Kinder-losen die Welt etwas besser? Ich dachte immer, der Überbevölkerung entgegen zu arbeiten wäre schon der erste Schritt?

  3. till sagt:

    adoptier eins:)

  4. redder sagt:

    @till: jeder bisherige widerstand wurde innert kurzer zeit kommerzialisiert, von der roten fabrik bis zu che. wieso kommt niemand von den revoluzzern auf die idee, den kommerz zu unterwandern? 😀

    @simi: wer keine kinder hat, kanns auch nicht schlimmer machen. 🙂

  5. till sagt:

    Also es gibt schon solche die auf diese Idee kommen 😉

  6. Miklos sagt:

    Jetzt tun wieder alle so, als sei das völlig überraschend gekommen…Ja, wer ist denn so naiv zu glauben, dass Polizeiwillkür-Aktionen wie „Respekt“ oder „Sauberkeit“ mit der VBZ-Razzia und 50 Polizisten und der Müllpolizei unbeantwortet bleiben? Noch mehr Polizei, noch mehr Repression, und Zürich wird 30 Jahre nach der „Bewegig“ wieder die Krawallstadt Europas! (Carparkplatz: War da nicht mal das AJZ?)

  7. redder sagt:

    @miklos: das am samstag schien mir keine polizei-willkür-aktion gewesen zu sein, eher eine polizei-ist-abwesend-aktion.

    und haben wir nicht in der bewegung und später im häuserbesetzerkampf gelernt, dass dinge kaputtmachen zwar spass macht, aber politisch etwa so praktisch ist, wie toilettenpapier auf beiden seiten zu benutzen?

  8. christoph sagt:

    ich würd jetzt den jungs, die die zerstörung zelebrieren, nicht automatisch politisches kalkül anhängen. reclaim the streets zielt doch darauf ab, lebensraum zurück zu erobern. zu zeigen, dass da noch etwas anderes ist als oberfläche – und dass dieser untergrund durch eine idee geeint werden kann: diese idee kann nicht einfach powerpointpräsentiert werden, aber man kann den alltäglichen gaunereien gemeinsam entgegentreten und einen konterpunkt setzen. mit musik durch die stadt tanzen. oder mit etwas farbe. mit velofahrern kurze zeit die strasse zurück holen..diese aktionen haben viel mehr wirkung, wenn sie ohne schlammlawine ankommen. die dummdeckel, die randaliert haben, stehen irgendwo im schatten dieser idee und haben keinen plan, was sie da genau anrichten.

  9. canela sagt:

    ich weiss, ich weiss, die revolution…. aber gopertami, reda, auf spanisch heisst es revolución ohne ç! hueresiech! so nun gehe ich schlafen, buenas noches! 😀

  10. Benno sagt:

    Reaktionäre Aktionen sind nie sinnvoll, wenn man wirklich etwas erreichen will.

    Etwa so wie die Minarettiniative oder die Eibürgerungsinitiative. Es geht nicht wirklich darum an der Sache etwas zu ändern. Es geht darum seine Reaktion darauf zu legitimieren.

    Hat man diese Legitimation erreicht wird die Reaktion automatisch zur Aktion.

    Die Revolution kommt normalerweise erst danach, dann wenn die Mehrheit geschnallt hat, dass sie mit reaktinärem Verhalten nicht mehr weiterkommt.

    Soviel zum Zürcher Kindergarten, der sich selbst beim Kübelumwerfen noch viel zu wichtg nimmt. Glaubt mir die Hinterwäldler im Berner Oberland oder die Abonenten von Schlürs Käseblättchen sind da schon drei Schritte weiter…

    und das macht mir wirklich Angst!

  11. bombay sagt:

    das hatte nix mit revolution oder politischen anliegen zu tun, sondern war ausschliesslich blinde zerstörungswut. jene, die vielleicht noch am ehesten sympathien mit den vermeintlichen anliegen dieser gruppe gehabt hätten, wenn sie denn überhaupt welche haben, nämlich die jugendlichen, die sich am wochenende an der langstrasse in den clubs vergnügen, bekamen ebenfalls „aufs dach“. so sind auch einige dieser chaoten in die bombay-bar gestürmt und haben unmotiviert schlägereien vom zaun gerissen – in anderen clubs ist es wahrscheinlich ähnlich zu und her gegangen. was das mit revolution zu tun hat, keine ahnung.

  12. animaxima sagt:

    Das Reda kann ich jetzt mal ernst nehmen von Dir…

  13. pipistrella sagt:

    weil ich mit 16 und so auch so war wie die jetzt am samstag – nicht ganz so gewalttätig, aber ähnlich kompromisslos – weiss ich auch noch, dass alle „belehrungen“ und guten tipps mir damals genau am a…. vorbei gingen. genau so wie es denen vom samstag auch am a… vorbei geht. die zahlen nämlich noch keine versicherungsprämien, dafür sind mami und papi da. von daher vergebene liebesmüh.

    ich bin immer noch dafür: keine aufmerksamkeit schenken – GAR KEINE, nirgends, weder in zeitung, tv oder sonst wo – und schon würde sich das problem von alleine erledigen. weil nichts macht weniger spass, als wenn sich keine sau darüber aufregt.

    aber leider ist das unmöglich umzusetzen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s