reise in die vergangenheit

Veröffentlicht: März 24, 2010 in bildung, erlebnisse, geschichten, klugscheiss, leben, reda, Satire, sinn, stil, zürich

ich hab  ein neues projekt. und wo arbeitet man möglichst kreativ an einem projekt? hä?

an einem WG-tisch. da ich aber ein asozialer eigenbrötler bin, hab ich keinen WG-tisch und in einer WG hab zum letzten mal mitte der neunziger gewohnt….

aber, man hat ja freunde, die am projekt mitarbeiten und in einer WG-wohnen.

ich also los, zum ersten mal zu besuch. und siehe da, die vergangenheit ist erwacht.

eine richtige WG, mit allem pipapo: mindestens drei alte fahrräder vor dem haus, verschiedene converse auf einem haufen bei der eingangstreppe.

sie haben wahrscheinlich extra geprobt für meinen besuch. als ich nämlich am WG-tisch platz nahm, kam einer der mitbewohner und fragte, ob ich was mitessen will, pasta mit selbstgemachter bärlauch-pesto. hallo gemeinschaftgefühl, wo hast du solange gesteckt?

an den wänden hingen plakate der schule für gestaltung, und irgendein filmposter aus den achzigern.

natürlich reichte das noch nicht ganz, um mich nostalgisch zu machen.

aber der „ämtli-plan“ am kühlschrank, die tatsache, dass es eine buben- und einen mädchenetage gibt und dass alles im kühlschrank allen gehört, liess mir eine träne der rührung über die wange rinnen.

jetzt fehlte nur noch die obligate WG-sitzung. und der freund versicherte mir, dass die stattfinden.

ich hab nicht nachgeschaut, aber ich bin sicher, irgendwo im wohnzimmer neben dem alten flohmarktsofa liegt eine WOZ und eine kleine schale mit zigarettenpapierchen.

ach, ich hätt gleich wieder zwanzig werden wollen..

wer übrigens länger als zwei jahre in einer wg gelebt hat, kann nie wieder in einer normal eingerichteten wohnung wohnen.

das führt dazu, dass die meisten wohnungen in der stadt aus mit einem sammelsurium aus Brockimöbeln, Ikeazeugs und teuren designerkrempel eingerichtet ist. statt „museum für gestaltung“-poster hängen dann kunsthausposter und kunst von bekannten.

vor der tür steht nur noch ein fahrrad, dafür gleich neben dem hybridwagen…

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Kommentare
  1. oohhh das weckt auch erinnerungen an meine jungen jahre: 1. WG war mit 17 in der Eisengasse, meine Mutter hatte mich da postwendend wieder abgeholt, weil alle Mitbewohner Drögeler waren, 2. WG in der Nähe von Winterthur in im Winter eiskaltem Bauernhaus, mein Mietanteil war 50 Franken im Monat, dafür schlotterten wir um die Wette, aber es war ein Erlebnis von da jeden Tag durch die Wälder Winterthurs in die Stadt zu laufen, 3., 4. und 5. WG Hollywood, Hollywood Hills und Topanga Beach, d.h. ich war eigentlich einfach Roommate von verschiedenen Leuten, die ihre Miete teilen wollten.. jetzt lebe ich „nur“ noch mit meinen Katzen und dies sind eindeutig die angenehmsten und erfreulichsten Mitbewohner!!

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