Archiv für März, 2010


es ist frühling, und die ersten freizeit-machos hängen ihre armgelenke zum bräunen aus dem wagen.

es gibt tage, da vermisse ich den privatverkehr am limmatquai.

vorbei die tage, an denen ich mit eiscaffé bewaffnet im grand cafe sass und mich mit freunden über die rundendrehenden brusthaar-tarzane in metallic-blauen/roten/grünen sportkonservenbüchsen lustig machte.

nie mehr abzählen, wie oft einer im schrittempo vorbeifuhr, seinen ellbogen aus dem fenster hielt und mit seiner fake-rolex die mädchen blenden wollte.

kein lautes gelächter, wenn er zum 7 mal bei der gleichen frau mit dem gleichen dämlichen spruch abblitzte

„hey babe, willste mal ne runde drehen?

nie mehr nachrechnen, wieviel kohle der arme kerl in sprit investieren musste, um seine beiden auspuffrohre vor den cafes aufdonnern zu lassen.

nie mehr zählen, wieviel mal der gleiche schlechte italo-technobeat am limmatquai erschallt

nie mehr meinen kolleginnen zusschauen, wie sie die beine genau so übereinanderschlugen, dass die typen das sehen konnte, was sie nie kriegen würden…

frühling ist seither einfach nicht mehr dasselbe.

jetzt müssen die armen kerle über den seilergraben fahren, und da gibts einfach keine strassencafes. und der rückweg führt durch den tunnel 🙂

ach gott, dann geh ich eben an den see und schau den wölfen zu

blaupause

Veröffentlicht: März 23, 2010 in bildung, kultur, musik, reda, soundblog, stil

irgendwie stimmt mich dieser song immer fröhlich. schon seit den achzigern…


wann findet man raus, dass mans wirklich geschafft hat? das man eine respektable persönlichkeit ist?

das alles im leben genau so gelaufen ist wie’s sollte und dich an den punkt gebracht hat, wo der erfolg nicht mehr zu leugnen ist?

all das hat man erreicht, wenn der kiosk im haus extra deine zigarettenmarke nur für dich bestellt und eine andere marke, die vielleicht von hunderten weniger erfolgreichen menschen geraucht wird, aus dem regal verbannt, um platz für deine kippen zu machen,

ha, ich hab meinen platz im zigiregal, nur für mich.

keine der da arbeitenden damen fragt mich nach meiner marke, das päckli liegt schon bereit, wenn ich zur tür hereinkomme.

DAS ist wahrer status.

imfall.


jau, morgen ist tag des wassers. das sollte daran erinnern, das ein grossteil der weltbevölkerung kein sauberes trinkwasser hat.

etwas für die medien! ein mir bekannter lifestyle-redakteur wollte die idee aufnehmen.

löblich.

er wollte eine lifestyle-seite machen mit beautyprodukten. mit wasser drin.

zum beispiel wasser-erfrischungsspray von vichy. (das ist keine satire, der typ meinte es ernst)

ja, dachte ich. genau. ideal für die sahelzone, mit dem eleganten spender lassen sich die portionen genau einteilen. und er hilft nicht nur bei trockener haut! weil er treibhausgase benutzt, stützt er die erderwärmung, die polkappen schmelzen, der meerespiegel steigt und bald gibts wieder wasser in der sahelzone.

soo super!

da könnte man auch beim welthungertag aus solidarität eine seite über frühlingsdiäten machen.

„wenn die hungern müssen, dann machen wir mit!“

oder zum weltkrebstag eine seite über modische perücken

und zum weltkindertag eine nette erotische fotostrecke, die kinder von ihrer schönsten seite zeigen.

die trendigsten prothesen am tag der landminen

und so weiter und so fort.

Ich dachte bei mir:

„was für ein arschloch“


der supersingle, miss freizeit-vamp und ich sitzen beim kaffee.

er (zu mir): „deine porno-theorien gehen mir sowas von auf den sack!“

ich: „?“

er: „frauen schauen jetz auch pornos, das versaut einem den ganzen spass!“

sie: „wieso, ich schau gerne ab und zu einen ästhetischen porno! da hol ich mir auch ideen.

er: „eeeben. wenn du so lebst wie ich, mit wechselnden bettpartnerinnen, ist das ungeheuer anstrengend. jede will dir gleich beim ersten mal beweisen, wie sexuell befreit sie ist.

alle praktiken, rauf und runter, hier hinspritzen, da reinstecken, leistung, als ob eine kamera mitdrehem würde. und das beim ersten mal. dabei amchts ihnen noch nicht mal spass. es gibt sogar solche, die ihren ekel überwinden, nur um mir zu zeigen, dass sie nicht prüde sind. das ist doch schwachsinn.“

sie: „erst wollt ihr sexuell offene frauen, und wenn wir uns dann benühen, ists auch nicht recht!“

ich „…“

er: „genau! „bemühen“ ist das stichwort. entweder es macht spass, oder man lässt es bleiben. wenn mir eine eins bläst und ich schon dem zucken an ihrem hals ansehe, wieviel überwindung hinter dem falschen stöhnen steckt, verteilt sich mein blut ganz schnell wieder im rest des körpers.

oder analsex beim ersten mal. das ist doch was intimes und man muss sich erst ein wenig kennen, um zu wissen, ob der andere sowas mag, tz.

sie: „du bist einfach ein langweiler…“

(das hatte er wohl noch nie gehört)

er: „ha! wenn man beim ersten mal gleich an die grenzen geht, was bleibt dann fürs zweite mal? wo bleibt die steigerung? wahrscheinlich rollenspiele! sie kreuzt gleich mit einem koffer für SM-spiele auf. ans dritte mal will ich gar nicht denken. es muss ja nicht gleich die missionarsstellung sein, aber lasst uns männern doch ein wenig zeit, uns körperlich auf euch einzulassen. wo bleibt sonst der genuss?“

ich nehme einen schluck kaffee…

beim zweiten mal….:

ab gehts

Veröffentlicht: März 18, 2010 in bildung, kultur, musik, reda, sinn, soundblog, stil

wiedermal ein klassiker der die ohren durchputzt:

pimp-hymne

Veröffentlicht: März 17, 2010 in beziehung, gender, kultur, leben, musik, reda, Satire, sex, sinn, zürich
Schlagwörter:

jau, besser konnte mich noch niemand in worte fassen:

liebe im tram

Veröffentlicht: März 16, 2010 in bildung, erlebnisse, geschichten, leben, liebe, reda, sex, single, sinn, stil, tram, zürich

vorhin im tram, ich hab die kopfhörer drin, aber keine musik drauf. ein mann und eine frau sitzen neben mir. er spricht eindringlich auf sie ein…

er: „und es wirklich schön, dass ich dich endlich mal wiedergesehen hab. es ist, als sei keine zeit vergangen. ich fühl mich dir verbunden wie vor zwei jahren!“

sie schmunzelt und gibt ihm diesen blick von unten herauf, so dass jeder beabchter sieht, dass sie ihn mag und sich freut.

er wird ein wenig nervös, redet weiter, sagt liebe sachen.

das tram bremst ab, er nimmt allen mut zusammen, ein taumel an gefühlen, beugt sich vor, sagt, dass er sich freuen würde sie wiederzusehen und küsst sie auf den mund. dann sagt er ein wenig verlegen tschüss.

das tram hält, er blickt sie noch einmal unsicher an und geht dann schnell weg, überrascht von seinem eigenen mut.

sie ist ein wenig verdutzt.

steht dann auf, stellt sich neben ihn, während sich die türen öffnen.

sie: „du musst nicht gleich wegrennen. ich muss auch hier aussteigen, ich wohn gleich da drüben…“

das leben schreibt drehbücher, da kann sich hollywood noch eine ganze scheibe abschneiden!

im tram (by alberto venzago)


mit 20 war ich immer an parties und in clubs. weil damals war das voll geil.

ich hatte sogar das gefühl, ich verpasse was, wenn ich mal nicht im angesagtesten club oder irgendeiner illegalen bar verkam. ich war dabei.

mit dreissig machte ich das oft auch noch, musste aber schon jede menge drogen einwerfen um die immergleichen geschichten von den immergleichen persönlichkeiten mit unterschiedlichen namen und gesichtern zu ertragen

jetzt bin ich über vierzig und mach das schon eine weile nicht mehr.

hin und wieder treffe ich alte bekannte, dies irgendwie nicht geschafft haben, ihre lebensgewohnheiten zu ändern.

es geht nicht mal um die drogen. nur kann man wahrscheinlich mit vierzig ohne dröhnung die ganze partyszene einfach nicht mehr aushalten.

die drogen lassen einem vergessen, dass man den idioten schon letzte woche nicht ausstehen konnte. und dass man seine geschichte schon kennt.

es geht um fortschritte. früher gingen wir in die züri-bar um leute auszulachen, die noch von ihren zwanzig jahre alten abenteuern erzählten. jetzt sind die spotter von damals in clubs und erzählen den gleichen scheiss.

jeden montag völlig fertig sein, jammern und ab donnerstag das immergleiche programm abzuziehen, unterscheidet sich in nichts vom jass-stammtisch – naja, wahrscheinlich ist der jass-stammtisch mit dem spiel spannender als immergleiche DJs mit unterschiedlichen namen und unterschiedlichen sets, die sich immer gleich anhören.

ausserdem siehts einfach scheisse aus, wenn sich eine vierzigjährige aufbröselt wie wenn sie siebzehn wär. auch männer machen sich lächerlich, wenn sie ihre spärlichen haare zu einem beckham-iro wursten oder sich einen hipster-bart stehen lassen….

aber egal, hauptsache man gehört dazu, und irgendwelche jungen, schwachköpfigen clubgroupies finden es toll, dass man alle und jeden kennt…

leute, überlasst den scheiss den jungen, für die ist das neu.

saugt aus euren pillen- und koksverkrusteten hirnen wenigstens ab und zu eine innovation und macht mal was neues.

nicht für euch, ihr könnt von mir aus vergammeln. aber wenigstens habt ihr uns dann endlich mal wieder eine neue geschichte zu erzählen!

und hütet euch mich montags wieder anzurufen und über euren kater oder die clubsszene zu jammern. interessiert mich nicht!

1989:

1994:

1999:

2004:

2010:

mmmhh mmmh mmmmhh mmhh

Veröffentlicht: März 15, 2010 in bildung, kultur, musik, reda, soundblog, stil, zürich

pure 90ies von der athmosphäre her depressiv genug und naja, einfach genial: