unverbindlichkeit und liebe

Veröffentlicht: Juli 2, 2010 in beziehung, bildung, erlebnisse, gender, geschichten, klugscheiss, kultur, leben, liebe, medien, reda, sex, single, sinn, stil

„…und dann lebten sie glücklich bis ans ende ihrer tage.“

DAS ist der schluss aus einem MÄRCHEN.

heute regte sich eine fb-freundin über den hang zur unverbindlichkeit in der gesellschaft auf.

naja, zwei frauen, die als alleinerziehende leben, meinten, eine unverbindliche affaire würde wohl besser in ihr leben passen, als eine verpflichtende partnerschaft.

ich nehme an, dass gerade frauen, die sich selbst aus ihren beziehungen gelöst haben, teils von beitzergreifenden oder fordernden partnern, das recht haben, sich eine affaire zu wünschen, ohne gleich wieder auf ihre unabhängigkeit zu verzichten. offenbar sind sie in ihren leben bereits genug kompromisse eingegangen.

ringt mir auf jedenfall mehr respekt ab, als die frauen, die denken, ein partner würde die lösung aller probleme sein.

aber ich bin ja keine alleinerziehende mutter, was weiss ich schon. ich kann nur für mich sprechen.

was mir so tierisch auf den sack geht, ist der tenor, dass verbindlichkeit moralisch richtig sei, unverbindlichkeit nicht.

das ist scheisse.

im gegenteil. ich schätze die liebe, die mir jeden tag freiwillig und aus dem herzen spontan entgegengebracht wird viel mehr, als eine treue, die mir aus einer verbindlichkeit geschuldet wird.

wenn ich jeden morgen aufstehe und mich wieder für mein gegenüber entscheide, obwohl ich auch einfach gehen könnte, zeugt das von echtheit.

ich persönlich würde es hassen, wenn ich davon ausgehen müsste, mein gegenüber bliebe nur mit mir zusammen, weil sie sich irgendwann mal dafür entschieden hat und jetzt zu ihrer entscheidung stehen will. ich käme mir irgendwie vor, wie ein emotionaler geiselnehmer, bewaffnet mit einem moralischen beziehungsimperativ.

nun, in den fünziger jahren war es wohl noch gang und gäbe, zum gegebenen ja-wort zu stehen, bis in den emotionalen tod. meine mutter war sogar in den siebzigern noch eine „geschiedene“, auffällig im quartier. naja, meine mutter war zweimal verheiratet. mit dem gleichen mann. manche halten eben trotz gegenbeweis an wunschvorstellungen fest… aber das ist eine andere gschichte.

wir können den verfall der alten werte bejammmern. wir können auch weiter die lebenslangen beziehungen romantisieren und den paar guten wochen oder monate, die manche miteinander verbringen, den wert absprechen.

oder wir können neue beziehungsformen, einen neuen umgang mit der liebe entwickeln. die freiheit, zu wählen, fordert auch die kreativität einer neuen lebensgestaltung.

dazu vielleicht noch eins:

ich hab im spital mit alten menschen gearbeitet. ein pärchen hat mich besonders gerührt. er, so um die 80, lag im sterben, sie, vielleicht 10 jahre jünger, kam ihn jeden tag besuchen, pflegte ihn oder hielt einfach seine hand.

als ich mich nach ihrer geschichte fragte, und wie lange sie denn schon verheiratet wären, meinte sie:

„wir sind schon ewig zusammen! schon über zehn jahre! aber verheiratet sind wir nicht….“

heisse affaire, jeden tag neu

Kommentare
  1. sianna9 sagt:

    hat mir gefallen, jedes wort könnte auch von mir sein…
    auch ich bin single-mutter und habe den hang, mich in männer zu verlieben, welche mich mehr besitzen wollen als sonst was, deshalb sind auch mir affairen zur zeit lieber, was liebe jedoch nicht ausschliesst! liebe hat viele gesichter, mann muss sie nur zu erkennen wissen…

  2. Benno sagt:

    Naja klar! man kann vom einen Extrem ins andere wechseln… Die Wahrheit liegt warscheinlich irgendwo dazwischen.

    Das wichtigste daran ist aber so oder so zu sagen was man will! Dazu muss man aber natürlich auch wissen was man will!

    Tja und dann ist es wie im richtigen Leben… Etwas Durchhaltewillen und Arbeit braucht auch eine Beziehung… Nichts ist immer nur schön!

    Natürlich muss und soll sich niemand als emotionale Geisel nehmaen lassen. Aber wenn ich sehe, dass ganze Familien zerstört werden nur weil man mal kurz ein bisschen unzufrieden war und anstatt das auszudiskutieren, gleich den Pool Boy oder die Sekretärin vögelt, hat das wohl wenig mit kreativer Lebensgestaltung zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit der Unfähigkeit Probleme anzugehen und zu lösen. Das eine Trennung im schlimmsten Fall auch eine Lösung ist, stelle ich gar nicht in Frage. Diese polygame 68er Romantik die du aber andauernd verbreitest halte ich für absoluten Bullshit! Sorry!🙂

    Aber jeder so wie er will!🙂

    • redder sagt:

      siehst du, wenn ich morgens aufstehe und mein gegenüber liebe, dann liebe ich mein gegenüber auch, wenn sie mal den poolboy und die sekrätirin gevögelt hat. ich liebe sie als den menschen, der sie ist, und nicht als den, der ich gerne in ihr sehen würde.

      geistige notitz: pool selber reinigen und neue sekretärin einstellen

      • Benno sagt:

        na klar ich liebe sie auch immer noch, ich kann mich ja nicht so getäuscht haben. Aber spüren lassen, dass ich das missbillige tu ich es sie aber auch. Natürlich wird sie danach meine Liebe nicht mehr erwiedern. Ob ich dadurch langfristig gewinne oder verliere, wird sich noch zeigen…😉

      • Benno sagt:

        Geistige Notitz: Was kann der Poolreiniger und die Sekretärin dafür, dass mein(e) PartnerInn ihr Selbstvertrauen auf einer tieferliegenden Ebene defeniert als ich😉

    • Jess sagt:

      Ganz genau. Verbindlichkeit hat auch etwas damit zu tun, dass man sich einlassen WILL. Das bedeutet immer auch Arbeit. Hat aber nichts damit zu tun , dass man jetzt durchhalten MUSS, komme was wolle. Der Wille von beiden Seiten würde so manche Familie vor dem Zerbrechen retten. Auch in der naechsten , ach so toll scheinenden Beziehung, trifft man irgendwann auch wieder auf sich selbst

  3. samuelblaser sagt:

    Der Anspruch auf einen anderen Menschen, dass dieser verbindlich zu einem stehen soll mit all den Treuekonzepten, kann zwar zu weniger sozialem Schmerz führen als eine 68iger-Polygamie, ist aber letztlich auch ein Akt der Gewalt.
    Es gibt. m.E. kein Rezept für diese Fragen.
    Es kann sich aber ergeben, dass es so oder auch so gut klappt.

    M.E. ist aber der Alleinanspruch punkto ‚Liebe‘ auf einen einzigen Menschen gar nicht Liebe, sondern Verliebtheit, Besitzdenken oder Abstützerwartung.

    ‚Liebe‘ grenzt nicht aus, ist aber auch nichts Libidogesteuertes.

    Ich glaube, wir sind alle fürchterliche Anfänger darin.🙂

  4. danzatrice sagt:

    Ein Satz stieß mir besonders ins Auge:
    „was mir so tierisch auf den sack geht, ist der tenor, dass verbindlichkeit moralisch richtig sei, unverbindlichkeit nicht.“

    Und dazu kann ich nur sagen: ganz genauso ist es. Wobei ich das Problem nicht verstehe. Solange sich beide Parteien einig sind ist doch auch Unverbindlichkeit kein Problem. Manchmal tut einem eben etwas Lockeres viel besser als eine festgefahrene Beziehungskiste. Und solange es nicht auf Kosten anderer geht, sollte man doch das machen was einem gut tut?!

    • Benno sagt:

      Genau… (und das Folgende ist an alle gerichtet!) …und wenn einem dabei bewusst ist, dass schon das Wort BEziehung ausschlieest, dass man nur das tun kann was einem SELBER gut tut, dann kann ja auch eine „lockere“ Sache durchaus „verbindlich“ sein.

      Unverbindlichkeit bedeutet für mich, dass man die Regeln einseitig während des Spiels verändert bzw. es vermeidet überhaupt Regeln zu vereinbaren. Und genau das wird heute meistens gemacht und das ist wohl sicher keine kreative Lebensgestaltung, sondern schlicht und ergreiffend Egoismus, der einem im wahrsten Sinne des Wortes irgendwann selber ficken wird.

      Falls es aber auf dieser Welt tatsächlich Leute gibt, die im 68er Rudelbumsen ihr ultimatives Beziehungsglück finden, und das nur mit Leuten tun, die auch so denken nachdem sie diese Neigung vorher kommuniziert haben, bin ich der letzte, der ihnen im Wege steht. Im Ernst jetzt!

  5. katja sagt:

    Tja, da muss ich Beno rechtgeben..

  6. Wunderbar!
    Pura Vida!

  7. martin sagt:

    Alleinerziehende die lieber Affären haben ? naja also die Alleinerziehenden die ich kenne hätten gerne eine feste Beziehung aber sie finden keinen Mann der eine Frau mit einem Kind eines Anderen akzeptiert. Dann haben sie halt notgedrungen Affären, aber sich einzureden dass es gut ist grenzt an Selbstbetrug.

    • redder sagt:

      martin, es gibt frauen, die sind so froh, dass sie ihren arsch von partner endlich los sind und wieder alleine für sich ensctheiden können, dass eine neue partnerschaft gar nicht in frage kommt.

      ausserdem kenn ich einige männer, die die kinder, die die partnerin mitgebracht hat als ihre eigenen akzeptieren. es liegt nicht an den kindern, es liegt an den partnerschaften und den erwartungen und vorstellungen, die damit verknüpft sind…

      • canela sagt:

        lieber affären als beziehung? möglicherweise zu beginn, nachher kaum.

        ein mann, der sich auf frau mit kind(ern) einlässt, hat einfach eine doppelte herausforderung. nicht jeder kann und will das. ich habe auch schon jemanden verlassen, der fand, mein sohn sei eine zu „grosse herausforderung“ für ihn. dabei ist er doch erst 5!😀

  8. redder sagt:

    @zimtchen: liess meinen neuesten post🙂

  9. martin sagt:

    habibi…? das ist jetzt aber ziemlich eindeutig😉

  10. canela sagt:

    kafi? sowas kann ich nur unter einem single malt erzählen. und dann werde ich ganz dramatisch, so dass dich alle mitleidig anstarren und du dich fremdschämen musst.😉

  11. Solveg sagt:

    Wie alt seid ihr eigentlich ? Das klingt alles so kindlich naiv.
    Eine Partnerschaft sollte schone etwas von Verbindlichkeit haben. Es ist ja auch soooo
    schön einfach unverbindlich zu sein ! Ich denke Unverbindlichkeit ist auch immer ein
    Zeichen von Egoismus und Selbstnutz. Und irgendwann fällt dieser Egoismus jedem
    auf die Füße ! Schon mal darüber nachseniert ihr kleinen Klugscheißerleins ?

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