Archiv für die Kategorie ‘erlebnisse’

ertappt

Veröffentlicht: Oktober 15, 2012 in bildung, blogging, erlebnisse, geschichten, kultur, leben, medien, reda, Satire, sinn, stil, terror, zürich

man sollte acht geben, was man schreibt. folgenden artikel aus der „Hauptstadt“ hab ich heute wieder mal gelesen … ich erzähl euch jetzt nichts von meinen Hanfklamotten und meinen Einkäufen im Reformhaus…


Auf die Frage eines Tagesschaujournalisten, ob es Unregelmässigkeiten in den tausenden von Asylanträgen aus dem Irak gegeben hätte, antwortet Uralt-Bundesrat Christoph Blocher:

Das waren keine Asylanträge, das waren keine FLÜCHTLINGE. Die wollten doch nur in die Schweiz. Das UNHCR hat sich um die gekümmert.“

(Herr Blocher, das Uno Hochkommisariat für FLÜCHTLINGE kümmert sich um FLÜCHTLINGE. Um Nichtflüchtlinge kümmern die sich per Definition nicht.)

Ok, der Journalist fragt weiter, ob es eine Absprache zwischen den Schweizer Behörden und dem UNHCR gegeben habe.

Blocher: „Ja, sicher. Also, ohne Abkommen hätten die sich ja nicht um die FLÜCHTLINGE gekümmert.“  (Jetzt sind es wieder FLÜCHTLINGE.)

Der Journalist insistiert: Hat es ein mündliches oder schriftliches Abkommen gegeben?

Und Altbundesrat Blocher flüchtet sich wie ein Mafiaboss in einem schlechten Hollywoodfilm in Erinnerungslücken:
„Ich kann mich nicht erinnern. Ich habe keine Akten mehr.“

(Offizielles Statement des UNHCR: So ein Abkommen hat es nie gegeben.)

Und zum Schluss, weinerlich:

„Ich habe keinen Zugang mehr zu den Akten, sie haben mich aus dem Amt gewworfen!“

Lieber Herr Blocher. Sie sind nicht Gaddhafi. Sie wurden nicht „abgesetzt“ oder „vertrieben“, sie wurden demokratisch abgewählt.

Und, Herr Blocher, im Fall der nichtbearbeiteten Asylgesuche halte ich Sie für einen menschenverachtenden Lügner, der sich jeden Anspruch auf ein Regierungsamt verspielt hat.


„also, ihr leben ist voll scheisse. so wegen all der kriminellen ausländer und so.“

„öh, nein, mein leben ist ganz in ordnung.“

„hm, aber die müssen weg. die. KENNEN SIE denn einen kriminellen ausländer. einen  gefährlichen?“

„also, nein, nicht persönlich. aber wer sich schlecht benimmt muss raus.“

„ah so, ja. haben sie wenigstens schon mal einen kriminellen ausländer gesehen?“

„naja, im fernsehen.“

„glanz&gloria-mitarbeiter zählen nicht. und berlusconi auch nicht.“

„nein, aber man hört ja immer wieder…“

„also, fassen wir zusammen. sie haben keine ahnung, wer, wie und warum, aber sie sind sich sicher, dass die raus müssen. die schweine.“

„ähm, also, ja.“

„kennen sie einen kriminellen juden?“

„ähm, also nein….“

……………..

ein krimineller ausländer. so sieht er aus:


nix gegen steve lee. nix gegen seine freunde, die echt trauern, die haben jedes recht darauf. auch die fans, die seit jahren gotthard hören, denen spreche ich mein beileid aus.

ich nehms nicht mal dem management übel, dass sie mit dem bald möglichsten albumrelease noch auf der trauerwelle mitschwimmen wollen.

was mir auf den sack geht, ist, dass steve lee tot mehr freunde hat, als er lebend je gehabt hat.

lifestyle-fans, die irgendwo sicher mal eine gotthard-cd als niceprice-angebot gekauft haben, die aber noch immer in plastik verpackt ganz hinten in der sammlung steht. leute, die gotthard nicht von krokus unterscheiden können und deren bezug zum hardrock darin besteht, „so geil“ zu rufen, wenn reeto von gunten am sonntag morgen auf drs3 einen song von AC/DC spielt.

die zelebrieren sich selbst, ihre „trauer“ und ihre geheuchelte anteilnahme auf kosten eines eher zurückhaltenden menschen und leben ihre falschen gefühle öffentlich aus, weil in ihren leben nichts ihrer echten emotionen wert wäre.

noch schlimmer sind die ganzen c-promis, die auf den gotthard zur trauerfeier gehen, um ihr gesicht in die kameras von tele züri zu hängen. die von „meinem freund steve“ sprechen, obwohl er ihnen nur an irgendeiner party mal über dem glas zugenickt hat.

geht, sucht euch ein leben, masturbiert nicht eure egos im trauerdunst eines ganz normalen menschen.

so.

ein ganz normale mensch.


hier, wohl zum letzten mal, die anleitung, wie man zürcher wird:

zürich für anfänger I

…man hats nicht leicht als neu-zürcher. alles ist hier so verwirrend. deshalb hab ich mir gedacht, ich geb kleine nachhilfestunden.

also, erstes gebot in zürich ist understatement. beispiele:

er: gibt ein vermögen für seinen schwulen friseur aus, damit der ihm eine fritte schnitzt, die aussieht, als wär die kleine schwester mit der kindergartenschere am werk gewesen.

sie: gibt ein vermögen für denselben friseur aus, um danach auszusehen, als ob die kleine schwester mit der kindergartenschere und hairconditioner am werk gewesen sei.

kleidung: man trägt NICHTS neues. wenn man ein neues teil hat, trägt man es solange als pyjama, bis es alt aussieht. kleidungsstücke müssen CHARAKTER haben, heisst, sie müssen alt aussehen. wenn man abends ausgeht, sieht man schlampig aus, als ob es total egal wär, wie man wirkt. man ist zürcher, man muss sich nicht auch noch aufbröseln.

auch wenn das heisst, dass man dreimal die verwaschenen t-shirts gewechselt hat, bis man genau RICHTIG gleichgültig aussieht. man trägt mindestens ein teures teil (gurt aus london für 200 pfund, oder schuhe aus rom, 700 euro), um es lässig mit seinen flohmarkt-t shis und seinen alten dc oder carhartt jeans zu tragen. keine designer brands, das überlassen wir den russen und den argauern. (secondos dürfen designer-sachen tragen, weil von wegen authentizität).

mobilität: man fährt rad. und wenn man nicht rad fährt, tut man so, als ob man rad fahren würde. zweite wahl ist ÖV. zürcher haben KEIN auto. höchstens eine mobility-mitgliedschaft. und sollte man doch ein auto besitzen, muss man sich eine lange und tragische geschichte dazu ausdenken, wieso man es braucht. (ich muss immer die totkranke schwester meiner blablabla in *provinz* besuchen).

musik: electro. electro-house, electro-trance, electro-ragga, electro-rock, electro-schlager, electro-soul, wenn du nicht sicher bist, im zweifelsfall ein electro davor, und du bist dabei. und sonst einfach minimal.

arbeit: man jobt. und man hat projekte. job=geld, projekt=kreativität. das projekt muss gar nicht existieren, aber ein möglichst kompliziertes konzept davon (über konzepte gibts dann einen eigenen eintrag). und lass dir ja nicht einfallen, dein projekt umzusetzen, dann bist du nämlich plötzlich kommerziell und mainstream.

soweit die erste lektion. damit kommt ihr durch die erste woche…

hier gehts zur fortsetzung>> zürich für anfänger II

redders welt geht unter

Veröffentlicht: August 13, 2010 in bildung, blogging, erlebnisse, kultur, medien, reda, sinn, zürich

hallo liebe leser

eine ära geht zu ende, eine neue beginnt.

da ich zur zeit mit einem anderen Projekt beschäftigt bin….

…bleibt mein blog vorerst mal unbewirtschaftet. ja, ich weiss, mein ego findet das auch traurig und weint den ganzen tag.

aber mit meinem neuen projekt ist auch mein ego wieder glücklich. verraten wird vorerst nur: ab gehts ab 1. oktober!

und hier zum mitweinen:


ich sitze mit einem freund im myplace.

er: „es gibt echt frauen, die geben mir das gefühl, ich sei der grösste. ich sei charmant, intelligent, geistreich und liebenswert.“

ich: „jau, kenn ich“

er: „die schauen mich an, als sei ich alles, was man von einem mann erwarten könnte. ich fühle mich dann kompetent, selbstsicher und gutaussehend. ich the man.

ich: „yup.“

er: „aber eines kannst du mir vielleicht verraten….“

ich: „hm?“

er: „wieso verliebe ich mich dann immer in die, neben denen ich mir wie der letzte idiot und loser vorkomme?“

ich: „das ist eines der grossen rätsel der liebe….“

„für sie bin ich der grösste! laaaaaaangweilig!“


supersingle und ich beim fischen.

ich: „wieso lieben dich die frauen? dich mögen sogar die, mit denen du nicht schläfst. wie machst du das?“

er: „zwei dinge. achtsamkeit und eine accessoir-liste im kopf.“

ich: „hä?“

er: „achtsamkeit: du merkst dir die haarfarbe einer frau und die haarlänge und weist ihnen feste werte zu, zum beispiel fuchsrot, bis auf die schultern. wenn die betreffende eines morgens kommt und nicht mehr fuchs ist oder die haare nur noch bis zu den ohren gehen, dann: „schöne neue frisur, meine hübsche“. 100 punkte.

ich. „und was hats mit der accessoir-liste auf sich?“

er: „das ist schon hohe kunst. man merkt sich sonnenbrillen, taschen und schuhe. ändert sich das profil, dann „die neue sonnenbrille bringt deine wangenknochen schön zur geltung..“

ich: „du angeber. niemand merkt sich die accessoirs aller frauen um ihn herum. die meisten kennen nicht mal die accessoirs ihrer langjährigen partnerin!“

er: „das ist doch ganz einfach. wenn eine frau ein neues accessoir hat, bewegt sie so, dass allen das besagte neue teil immer ins blickfeld rutscht. dann musst dus nur noch loben.“

ich: „das funktioniert sicher auch in einer beziehung…..“

„Die neue Frisur steht dir!“


im tram, zwei teenager streiten sich. als er aussteigt, schreit sie ihm hinterher:

„lutsch doch meinen Finger, du PIEP“

das PIEP kommt nicht von mir, das war ihre idee. äuserst kreativ, find ich. so kann sich der beschimpfte gleich selbst die für ihn schlimmste beschimpfung einsetzen. ausserdem ist fingerlutschen in diesem zusammenhang irgendwie obszön. wortwörtlich ist die beschimpfung aber nicht irgendwie vulgär.

das ist hohe kunst des dissens.

so war das nicht gemeint…

eher so:


supersingle und ich, mittags am see.

er: „ich vermiss meinen status als sexist und chauvinist...“

ich: „hä?“

er: „naja, früher beschimpften mich die frauen. ich sei ein übler, oberflächlicher sexist. jetzt fragen sie nur noch „ist die schöner als ich?“, wenn ich mal einer anschaue.

und dann, das nächste mal, wenn ich sie treffe, ist ihr rock kürzer als der, den die andere anhatte. bald laufen sie nackt rum…“

ich: „na und?“

er. „ich fühle mich meiner identität beraubt! meine ganzen argumentationsketten, wieso sexismus nicht gleich unmoralisch ist, hab ich schon seit monaten nicht mehr gebraucht.“

ich: „mhm.“

er: „ich bin nicht mehr der feind, der gefährliche wolf. mit ihrer dämlichen konkurrenz haben sie mich zum schiedsrichter degradiert. als ob ich preisrichter bei einer viehausstellung wär. das ist doch erniedirgend, für sie und für mich.“

ich: „jau.“

er: „und sie begreifens doch eh nicht, wenn ich ihnen erkläre, dass es keine „schönste“ gibt, sondern dass jede einzelne ein kunstwerk gottes ist. sie halten mich für diplomatisch. wenn es eine einzige schönste gäb, würd ich wohl bei der bleiben. aber jede hat etwas ganz eigenes schönes. (seufzt).

ausserdem fühl ich mich aus dem spiel gedrängt. die schlimmsten kämpfe finden unter ausschluss der männlichkeit statt. ich hab aus einer verlässlichen quelle gehört, dass sie einander in der frauenbadi mit hochgezogenen lefzen anknurren. und eine sei wegen ein wenig cellulite  totgebissen worden….“

ich: „jau, ich bin froh, dass ich da nicht hineindarf….“

„is she more beatyful?“