Archiv für die Kategorie ‘wahlen’


Auf die Frage eines Tagesschaujournalisten, ob es Unregelmässigkeiten in den tausenden von Asylanträgen aus dem Irak gegeben hätte, antwortet Uralt-Bundesrat Christoph Blocher:

Das waren keine Asylanträge, das waren keine FLÜCHTLINGE. Die wollten doch nur in die Schweiz. Das UNHCR hat sich um die gekümmert.“

(Herr Blocher, das Uno Hochkommisariat für FLÜCHTLINGE kümmert sich um FLÜCHTLINGE. Um Nichtflüchtlinge kümmern die sich per Definition nicht.)

Ok, der Journalist fragt weiter, ob es eine Absprache zwischen den Schweizer Behörden und dem UNHCR gegeben habe.

Blocher: „Ja, sicher. Also, ohne Abkommen hätten die sich ja nicht um die FLÜCHTLINGE gekümmert.“  (Jetzt sind es wieder FLÜCHTLINGE.)

Der Journalist insistiert: Hat es ein mündliches oder schriftliches Abkommen gegeben?

Und Altbundesrat Blocher flüchtet sich wie ein Mafiaboss in einem schlechten Hollywoodfilm in Erinnerungslücken:
„Ich kann mich nicht erinnern. Ich habe keine Akten mehr.“

(Offizielles Statement des UNHCR: So ein Abkommen hat es nie gegeben.)

Und zum Schluss, weinerlich:

„Ich habe keinen Zugang mehr zu den Akten, sie haben mich aus dem Amt gewworfen!“

Lieber Herr Blocher. Sie sind nicht Gaddhafi. Sie wurden nicht „abgesetzt“ oder „vertrieben“, sie wurden demokratisch abgewählt.

Und, Herr Blocher, im Fall der nichtbearbeiteten Asylgesuche halte ich Sie für einen menschenverachtenden Lügner, der sich jeden Anspruch auf ein Regierungsamt verspielt hat.


Mein letzter post hat einige meiner eher revolutionaeren freunde zu der bemerkung hinreissen lassen, dass bei uns auch einiges im argen liegt.

Bei uns herrscht vetternwirtschaft, rechtsungleichheit fuer reiche und auch die unabhaengigkeit der medien sei fragwuerdig.

Hm. Stimmt.

Aber wahrscheinlich bin ich der demokratiefreundlichste anarchist der welt.

Ich glaube an unsere direkte demokratie.

Erstens ist sie so langsam, dass man nichts schnell zum guten veraendern kann. Aber eben auch nichts schnell zum schlechten.

Dann das elegante parteiengleichgewicht:

Wir brauchen die SP, um unseren sozialstaat zu erhalten.

Wir brauchen die rechten wirrkoepfe der SVP, damit die SP nicht vergisst, wofuer sie steht

Wir brauchen die FDP, damit wir uns den sozialstaat auch weiterhin leisten koennen.

Wir brauchen die gruenen, damit wir auch noch in drei generationen eine umwelt haben, in der der sozialstaat stattfinden kann.

Die CVP, um die ganze politisch unattraktiven aemter und kommissionen zu fuellen.

Und natuerlich brauchen wir die ewigen revolutionaere a la andrea stauffacher, um den sozialdemkraten feuer unter dem hintern zu machen, damit sie sich nicht auf ihrem mittelstandsgutmenschentum ausruhen.

Die meisten revolutionaere, die in der schweiz leben, leiden nicht unter dem ungerechten system in der schweiz. Die meisten leiden unter der unvollkommenheit des menschen. Meist geht es ihnen nicht schlecht. Sie muessen nicht fuer ihre eigenen rechte kaempfen, sondern geniessen den luxus, sich fuer schwaechere einsetzen zu koennen.

Natuerlich hat der geneigte revolutionaer bereits in irgendeiner art ein besseres system bereit, dass das korrupte system abloesen soll.

Hei, wenn wir in irgendeinem system ruecksichtvoll, gerecht und mit mitgefuehl miteinander umgehen koennten, braeuchten wir kein system! Dann koennten wir in friedlicher anarchie zusammenleben.

Stellt euch einfach vor, euer „besseres system“ sei mit menschen wie euch selbst bevoelkert. Mit euren guten seiten, aber auch mit eurem egoismus, eurer selbstgerechtigkeit und euren vorurteilen.

Und? Funktioniert euer system noch?


haben sie ihre website noch nicht angepasst? stadtpräsidentin sind sie ja wohl nicht, oder?

martelli

politik, kritik und homophobie

Veröffentlicht: März 30, 2009 in bildung, leben, liebe, medien, Politik, reda, sex, stil, terror, wahlen, zürich
Schlagwörter:, ,

mauch ist stapi. das hat einige ganz seltsame reaktionen hervorgebracht.

in zürich macht man sich unmöglich, wenn man sich gegen homosexuelle äussert (und das ist gut so), so wird frau mauch von den ewig homophoben wegen ihrer frisur, wegen ihrer politik (die sie als stapi ja gar noch nicht macht) und ihrer freunde wegen angegriffen.

komischerweise machen leute, die sie wegen ihrer politischen richtung nicht mögen, plötzlich sprüche über kampflesben…

sachliche kritik an der neuen stadtpräsidentin ist ja noch gar nicht möglich

ich bin überrascht, wieviele zürcher, die ich für liberal und aufgeschlossen hielt, sich plötzlich als intolerante, homophobe giftspritzen outen…

naja, sind alles männer, die sich so geäussert haben. die haben halt angst. angst vor schwulen, weil sie sich ihrer eigenen männlichekit nicht sicher sind, angst vor lesben, weil sie sich da total überflüssig fühlen.

was ich echt witzig finde, ist die freude, die die SVP über Mauchs wahlsieg hat. hehe. der FDP ans bein pinkeln. komische genossen haben wir da bekommen….

was mir aber ganz sicher den morgen versüsst, ist, dass die bitteren und hämischen bemerkungen eine siegerin nur begrenzt beeindrucken.

sind halt eben schlechte verlierer… grins


heute hatte ich mal arbeit nach meinem geschmack

langsam kann ich keinen unterschied mehr zwischen meinem blog und meiner zürich-seite erkennen 🙂

trammauch

 

ach ja, und dann noch dies 🙂

blogs


Heute lag wiedermal ein abstimmungscouvert in meinem briefkasten und erinnerte mich an meine politische entwicklung und meine gesellschaftliche verantwortung.

Als ich juenger war, dachte ich, die welt liesse sich schnell und nachhaltig veraendern. Mit pflastersteinen und molotow-cocktails. Natuerlich erreichten wir etwas. Aber nicht aus politischen gruenden, sondern aus wirtschaftlichen. Es war fuer stadt einfach zu teuer, die innenstadt jedes mal wieder aufzuraeumen, nachdem wir sie in schutt und asche gelegt hatten. Nachhaltig? Nein. Meine genossen von damals sind heute genau die leute, denen wir frueher die autos angezuendet hatten.

Ich glaube noch immer nicht an politik, aber ich glaube an historische prozesse. Langsam wird die welt besser.

Jetzt hoer ich schon die ewigen opfer jammern: nichts wird besser! die ganzen rechtsextremen, die neue armut, die vielen kriege und all der rest! Verglichen mit dem zustand unserer welt vor 60 jahren, vor 90 jahren oder vor 120 jahren, gehts uns eindeutig um einiges besser…

Es braucht zwei bis drei generationen, um eine gesellschaft nachhaltig zu veraendern. Erst wenn einstmals neue ideen wie humanitaet und soziale gerechtigkeit zum drittenmal von den eltern an die kinder weitergegeben werden, wachsen sie zu tief verwurzelten werten. Vor 75 jahren war krieg in europa fuer die meisten noch eine heroische sache, jetzt plaedieren nur noch hilflose idioten fuer gewaltloesungen.

Also geb ich mein radikales gedankengut, meinen sinn fuer naechstenliebe und meine verueckten ideen an meine nichte und mein patenkind weiter und hoffe, dass ein wenig davon ihre kinder erreicht…

Bis dahin geh ich an die urne und waehle corine mauch 🙂

die angst

Veröffentlicht: Dezember 5, 2008 in blocher, kultur, medien, Politik, stil, wahlen, zürich
Schlagwörter:,

ray hat mich gefragt, vor was ich den angst hätte, dass ich immer so gegen blocher schiessen würde. ich hab nicht angst vor blocher, sondern vor seinen fans. ich will nicht eines morgens in einem land aufwachen, in dem

– es keine religionsfreiheit mehr gibt und leute auf grund ihrer religiösen symbole diskriminiert werden.

– in dem plötzlich die ostzuwanderer und die jugos schuld an der arbeitslosigkeit sind und nicht geldgierige, fahrlässige bänker und politiker

– in dem die rechtsprechung unterschiede zwischen bürgern und ausländern macht

– in dem ein repräsentant des staates sich in der türkei die leugnung eines völkermordes unterstützt („das ist kein völkermord. da leben ja noch immer einige armenier“)

– in dem die gewaltentrennung durch das machtstreben und die intrigen eines rechtspopulisten ausser kraft gesetzt wird

– in dem die unschuldvermutung vor gericht nur noch für schweizer gilt.

jep, so ist das.

brief an vanessa

Veröffentlicht: Dezember 3, 2008 in böse, bildung, blocher, kultur, leben, medien, Politik, reda, sinn, stil, terror, wahlen, zürich
Schlagwörter:, , , ,

zitat aus einem comment von vanessa

blocher schürt keine angst. er nimmt nur die angst auf, die nicht-linksblinde leute haben, wenn sie aus dem fenster in die jetztige gesellschaft schauen, und nutzt sie für sich.
wenn man ihn mit despoten in anderen ländern vergleicht, ist er ein klacks.
abwiegeln und schönreden tun die linken, nicht die rechten. es war ok, links zu sein und global zu denken: vor 20 jahren. jetzt ist jeder, der nicht die augen öffnet, ein dümmling, der nur die medien nachplappert.

liebe vanessa.
ich geb dir soweit recht, dass auch die linken meist keine brauchbaren lösungen haben, aber wenigstens bringt ihre medizin den patienten nicht um.

so verzweifelt, dass wir zuflucht zum grossen Führer Blocher nehmen müssen, sind wir aber noch lange nicht. ich hoffe nie. blocher hat unserer demokratie mehr schaden zugefügt als alle so häufig beschworenen „kriminellen Asylbetrüger“ zusammen.

dass er beim hearing sogar bei der FDP nach fünf minuten auf die strasse geflogen ist, dass ein teil seiner partei nicht mehr mit ihm im selben club sein will und dass er nie argumente, aber immer schuldzuweisungen hat spricht für sich. der arme alte mann geifert und jammert ja nur noch.

du bist ein armes irregeleitetes kind *kopftätschel*, und du kannst wohl nichts dafür, dass weder dein hirn noch dein einfühlungsvermögen, weder deine fähigkeit dinge zu durchschauen oder zu reflektieren ausreichen, um jemanden wie blocher zu durchschauen. aber du bist nicht alleine. da gibts eine selbsthilfegruppe, sie nennt sich SVP.

und bleib doch in zukunft von meinem blog fern.

dein untertänigster

redder


viele mögen blocher nicht. weil er ein despot und ein gauner ist, weil er lügt und intrigiert, weil er abwiegelt, verhetzt und angst schürt.

das magazin wollte es genau wissen, wollte uns den menschen hinter dem machtmenschen zeigen. sie begleiteten blocher überall hin und machten sich ein bild. 

eigentlich eher eine home-story der SI auf politischer ebene. 

im vorwort outet sich finn canonica auf den spuren seines alten freundes aus „toaster“-tagen, köppel.

und was lernen wir über blocher? der mensch hinter der maske, den das tagimagi da entdeckt, ist derselbe narzistische gierige und unreflektierte depp, den wir schon aus den ganz normalen medienberichten kennen.

lieber finn canonica 

zuviel platz für bereits bekanntes. überlass das köppel und der weltwoche, die machen das schon länger und vor allem konsequenter


jaja, der supertrick der SVP. zweierticket, bei dem nur einer wählbar ist. wenn ich aber genau hinsehe, dann ist da ja keiner wählbar.

erstens: er will ja gar nicht… „ich stehe nicht zur verfügung!“

zweitens: er kanns nicht

drittens: er hat in seiner karriere so oft mit ton und tat danebengelegen, dass er ausserhalb seiner partei keine freunde mehr hat.

viertens: wenn man blocher nicht im bundesrat will, sollte man auch nicht seine rechte hand oder andere ähnlich unappetitlichen körperteile in den bundesrat wählen….

und schliesslich fünftens: wer schon zwei wochen vor der wahl nur spott und hohn erntet, wer in den medien schon jetzt nur ausgelacht wird, wer offensichtlich vom volk nur als „kaschperli“ und „dummschnurri“ und von den politikerkollegen als „äusserst impulsiv“ eingeschätzt wird, kann als bundesrat einfach nicht das schweizer volk in der öffentlichkeit vertreten.

wer möchte von Ueli Maurer in der öffentlichkeit represäntiert werden? hand heben!
maurera9e68