Mit ‘mord’ getaggte Beiträge

kurz innehalten im journalismus

Veröffentlicht: März 10, 2009 in bildung, geschichten, leben, medien, reda, sinn, stil, terror, zürich
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dieses wochenende starben zwei junge frauen in der region. für uns waren das nur seitenfüller. blick.ch und 20min.ch stritten sich schnell über twitter über die bildrechte vom vater des mörders, alle morgenblätter hatten die tote 16-jährige lucie und alle online-portale berichten wie von einem fussballspiel über die fortschritte der ermittlungen.

ja, ich bin auch einer davon. aber ich wünschte mir eine minute pause. nur um kurz an die eltern zu denken, die freunde, und vielleicht an die angst, die dieses mädchen ausgestanden hat. eine minute, um traurig zu sein für diese mädchen.

vielleicht bin ich einfach zu weich für diese art der berichterstattung…


nach meiner kritik an der flugshow beim madonna-konzert, meinte ein leser:

Komisch, an ein Konzert gehen, das mit Hilfe von Dutzenden Sattelschleppern, Kranen und Hubstapler überhaupt stattfinden kann, und sich dann über ein paar Militärjets aufregen?

naja, ich denke, es ist wohl nochmals etwas anderes, mich über shows von tötungsmaschinen aufzuregen, die ungleich mehr sprit verbrennen, als über sattelschlepper, die ich auch nicht unbedingt gut finde.

zudem ist es einfach krank. es ist nicht eine kunstflugshow wie das redbull-airrace (was ich auch ziemlich doof finde), sondern eine der schweizer armee. also bewaffnete neutralität und so.
die scheissmaschinen sind gebaut, um menschen in fetzen zu schiessen.

habt ihr die folgen von bombardements schonmal gesehen? ich meine nicht im fernsehen, sondern im realen leben. ich schon. streubomben von denselben firmen, die diese kampfjets ausrüsten. wisst ihr, wie ein kind mit abgerissenen armen ein bild malt? oder wie ein kind mit einem weggesprengten bein tanzt?

also, erzählt mir keinen gottverdammten scheiss über den unterhaltungswert von verdammten kampfjets. erzählt mir überhaupt keinen verdammten scheiss über militär, freiheit, wehrhaftigkeit und unabhängigkeit, wenn ihr nicht selber schon in kriegsgebieten wart, die folgen mit eigenen augen gesehen habt oder eine waffe auf einen menschen abgefeuert habt.

in dem wir die firmen unterstützen, die die dinger bauen, finanzieren wir wohl jeden elenden krieg und völkermord mit, in dem waffen aus denselben konzernen eingesetzt werden. und da sind auch schweizer mit dabei.

ein bisschen RS, ein paar WKs und etwas lokalpolitik geben euch nicht mal ansatzweise das recht, über kriegswaffen und unterhaltungswert zu schwafeln.

und der umweltschaden ist nur nur ein kleiner übler nebeneffekt.


in der antrittsrede zu den Olumpischen Spielen, konnte IOC-Präsident Jaques Rogge sich nicht zurückhalten. mit tränen in den augen pries er die leistungen der partei, die den anlass ermöglicht hatte. in zwei nebensätzen forderte er abweichler unter den athleten auf, doch reuig zurück in die arme der grossen organisation zu finden. oder wenigstens während der spiele die schnauze zu halten und offenkundige misstände nicht auch noch zu erwähnen.

so schwer ist das ja auch nicht zu verstehen. grosse sportorganisationen haben wohl mehr mit maos diktatur des proletariats gemeinsam als mit grundlegenden demokratischen werten. bei beiden clubs finden bauerntölpel den weg zur macht und werden zu faschistischen apparatschiks mit auge und hand am gold.

als grosses beispiel diente dann noch die eindrückliche gleichschaltung von hunderten von chinesen, die eine choreographie perfekt einhalten konnten. das alleine spricht schon für sich. noch besser hätten es nur soldaten hingekriegt, die mit ihren gewehren exerzieren.

naja, die speichelleckerische rede, und  das scheinheilige vorschieben des olumpischen gedankens zur rettung der sponsorengelder und zum schmieren der marchandising-maschinerie wird rogge sicher die ehrenmitgliedschaft in der partei plus einen orden als held der revolution einbringen.

oder wie schon pontius pilatus sagte: geht weg, der scheiss geht mich nichts an. sollen sie ihn doch umbringen, damit hab ich nix zu tun.

für alle idioten, die mir jetzt sagen wollen, dass der olumpische geist wichtiger ist als politik:

sagt das doch den eingekerkerten und gefolterten mönchen, gell.

heil genosse rogge: