Mit ‘zeitung’ getaggte Beiträge


ok, wir können nun richtig zitieren und richtig recherchieren, jetzt steht unserer karriere als journalist nichts mehr im wege.

als erstes kaufen wir uns ein cord-jacket, ein weisses hemd, verwaschene jeans und adidas tunrschuhe. das ganze krönen wir mit einer umhängetasche (möglichst von freitag). das ist notwendig, um uns von den reportern abzuheben. reporter tragen anorraks und suchen draussen (ja! auf  der strasse) nach geschichten und sprechen mit echten leuten und so.

wir aber sind journalisten. wir telefonieren, googlen und sprechen allerhöchstens mit menschen, wenn uns der lokalsender zu einer intellektuellen diskussion über das gerade medienbeherrschende thema (wahlweise wahlen, jugendgewalt oder jugendgewalt, evt auch wahlen) einlädt. da sitzen wir mit anderen journalisten in cord-sackos und diskutieren.

eine diskussion sieht so aus:

journi 1: ich denke, dass *zitat NZZ* und *zitat Weltwoche*

journi 2: so würde ich das aber nicht sehen. viel eher ist es doch so dass *zitat Zeit*, *zitat Süddeutsche“! Auch den aspekt der *zitat WOZ* muss man berücksichtigen.

moderator (auch ein journi): interessant! wie aber kommen wir dann zu *zitat FAZ* dessen *zitat spiegel* wir nicht berücksichtigt haben?

gut, wir müssen also lesen. möglichst die gängigen zeitungen, aus denen wir uns unsere differenzierte meinung zusammenschustern. merkt euch: als journalist hat man eine MEINUNG zu allem! und man kann sie durch FAKTEN untermauern. (fakten sind das zeugs, dass man in anderen zeitungen liest oder was man so zusammengooglen kann).

jetzt bauen wir unser ego aus. das geht ganz leicht. jedesmal, wenn wir unseren namen gedruckt sehen, wächst es um 11.7 prozent.  wenn unser zeugs von anderen journalisten zitiert wird, erlebt unser ego einen wachstumsschub von 27 prozent!

ok, wir können diskutieren und wir haben eine meinung. jetzt mieten wir uns eine zweitwohnung, weil unser ego inzwischen so angeschwollen ist, dass wir keinen platz mehr zuhause haben.

als nächstes lernen wir schreiben.

ihr denkt jetzt „schreiben? wieso schreiben? ich bin doch journi, wozu soll ich denn auch noch schreiben können?“ aber meine lieben, ohne gehts nicht.

wenn ihr nicht schreiben wollt, geht zum fernsehen. aber fernseh-journis bräuchten einen eigenen workshop. eigentlich bräuchten die einen eigenen blog. nein, die bräuchten einen eigenen planeten!

also, nächstes mal mit stift und papier, bitte!


alle twittern. naja, alle journalisten. eigentlich nur alle technophilen journalisten. und die twittern eigentlich auch nicht mehr so oft.

aber dafür twittern jetzt ganze zeitungen! naja, sie schleudern einfach links zu artikeln, die man sich auch per rss-feed direkt auf den desktop holen könnte. und wer twittert bei den grossen zeitungen?

natürlich die technophilen journalisten, die bereits einen persönlichen twitter-account und einen twitter-account für ihren blog haben…

und sie followen sich alle gegenseitig. ich denke, wenn mans zusammenzählt, sind es fünf twitterer, die fünfundzwanzig twitter-accounts betreiben.

dann kommen noch die fünf profi-blogger dazu und ein paar nerds, die code-sequenzen und kryptisches nerdzeugs austauschen. oder allen mitteilen, dass sie gerade in hannover aus dem zug gestiegen sind und es dort auch regnet.

aber twittern ist relevant, weil, ich habs in der zeitung gelesen. ich schwör. twitter ist das nächste ding! und bis dahin twittern  wir halt im kreis….

der hier twittert auch:

vogel1

.ch ist ein sozialprojekt

Veröffentlicht: August 20, 2008 in bildung, kultur, leben, medien, Politik, reda, Satire, zürich
Schlagwörter:, ,

jeden morgen, wenn ich zur arbeit gehe, sehe ich mindestens sechs junge frauen, die wägelchen voller .ch ausgaben in die stadt ziehen und die dinger in briefkästen verteilen. tapfer stopfen sie die ausgaben, die sie vortags bereits in die selben briefkästen gelegt haben nach hinten, um platz für die aktuelle ausgabe zu schaffen.

renomierte, überbezahlte journalisten sind sich nicht zu schade, gegen gutes entgelt beiträge für ein blatt zu schreiben, das niemand liest.

so gesehen ist saschas blatt ein sozialprojekt. welcher philantrop gibt sonst schon 20 millionen jährlich aus, um arbeitsplätze  in einer zeitung zu schaffen, die niemand liest, und in der keine werbung geschaltet wird?

danke .ch, für die arbeitsplätze. aber könnten eure leute die zeitung nicht direkt in die altpapiersammlung bringen? dann hättet ihr noch mehr sympathien bei der bevölkerung!

.ch sammelstelle