journis bashen, karma und schmunzelminuten

Veröffentlicht: Februar 13, 2010 in bildung, erlebnisse, klugscheiss, kultur, leben, medien, Politik, reda, Satire, stil, zürich
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in letzter zeit, wenn ich eine zeitung oder ein magazin(!) aufschlage, fühle ich mich nicht mehr wirklich ernst genommen.

da sind mehr kommentare, kolumnen und erklärungen, wie ich die präsentierten infos einzuordnen habe, als infos.

journalisten haben die tendenz, ihre leserschaft für vollidioten zu halten.

ich will nicht, dass mir ein journi die welt erklärt. die welt ist so schon kompliziert genug.

was befähigt einen journalisten, anderen die welt zu erklären? wenn er sie soviel besser verstehen würde, wär er wahrscheinlich nicht journalist sondern staatsführer oder sowas.

journalisten wissen von allem ein wenig. und fachjournalisten wissen vielleicht ein wenig mehr. aber nehmen wir zu beispiel wissenschaftsjournis. wenn die wirklich eine ahnung hätten, wären sie in der wissenschaft, nicht in den medien.

wieso ich gerne zeitung mache? weil ich mein karma-konto ausgleichen will. als boulevardjourni für eine abendzeitung hab ich die möglichkeit, jeden abend ungefähr 250 000 leser für zwei minuten schmunzeln zu lassen. oder sich aufregen. ich produziere emotionen und damit echte lebensqualität. in winzigen stücken.

wenn ich aber nur schon die schmunzel minuten zusammenzähle, tag für tag, 250 000 schmunzelminuten, kann ich bald eine ganze lebenszeit mit lächeln füllen. DAS ist für mich ein lohnenswertes ziel.

den leuten unausgegorene erklärungen für dinge zu geben, die journalisten auch nur aus zweiter hand erhalten und mit mangelndem fachwissen für die leserschaft vorkauen, empfinde ich als intellektuelle selbstbefriedigung.

dazu kommt, das die meisten journis keine ahnung haben, für wen sie schreiben. journalisten verkehren mit journalisten. so haben sie nicht mal ne ahnung WEM sie da die welt erklären.

ich kenne kaum einen, der einen kaufmännischen angestellten, eine jelmoli-verkäuferin oder einen schreiner im engeren freundeskreis hat. das sind nun aber mal die leute, die zeitung lesen.

der anteil an medienfuzzis in der gesellschaft ist zum glück sehr gering.

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Kommentare
  1. Diana sagt:

    Ich bekenne mich hier zu denen zu gehören, die auch ab und zu mal Journis bashen. Aber das tue ich nicht aus Prinzip, ganz im Gegenteil, ich mag Medien und viele Journis machen gute Arbeit.

    Aber wenn beispielsweise, wie kürzlich, der Blick über die Vergewaltigung und Entführung einer transsexuellen FRAU berichtet und dieses Opfer schon despektierlich als „Transe Peter“ betitelt, dann fühle ich mich berufen, die grosse Keule zu holen.

    Und wenn so ein Journi, der noch nocht kapiert hat, dass das Wort „Transe“ genauso ein Schimpfwort ist wie „Nigger“ oder „Krüppel“, dann wird mir Angst und Bange bei der Vorstellung, dass diese Leute uns die Welt erklären.

    Denn genau das geschieht, Medien sind Meinungsmacher, was sie schreiben, wirkt sich auf das Denken der LeserInnen aus. Deshalb halte ich es manchmal für angebracht, bei so Fehltritten kräftig auf die Finger zu klopfen.

    Aber wie zu Beginn gesagt, ich halte die journalistische Arbeit für wertvoll und das Resulotat ist oft gut, da gibt es auch nichts zu meckern. Aber wenn wie in diesem Beispiel die Menschenwürde mit Füssen getreten wird und die Schreiber sich nicht mal an den Kodex des Presserats halten, dann brauchts halt auch mal die grosse Keule 😉

  2. Parcival sagt:

    Ich schmunzle auch gerne, aber muss es Boulevard sein?

  3. Diana sagt:

    naja ich mag auch Boulevard, zur Unterhaltung kann das auch nett sein, beispielsweise die Kolumnen im Blah sind manchmal genial, vorallem – öhm, wie heisst das Mädel nochmal – naja die jedenfalls ist absolut genial 🙂

  4. Benjamin Karmann sagt:

    Nun ja, dann bin ich eben eine der wenigen Ausnahmen. Ich bin Fachjournalist und habe nicht das Gefühl, den Lesern die Welt erklären zu müssen. Ich kenne auch einen Schreiner (kein Witz), eine Pharma-Assistentin, mehrere Sekretärinnen und andere Werktätige ohne Uni-Abschluss. Unter meinen Kollegen ist kein einziger aktiver Journalist, nur ein ehemaliger (Berufssausstiege > 10 Jahre). Aber darum gehts ja gar nicht. Ich finde, man sollte mit dem Beruf, den man macht, vor allem zufrieden sein (ich bin es meistens). Ob das Ziel dann Karmapunkte, Stutz oder intellektuelle Selbstbefriedigung ist, who cares? Meine Erfahrung ist, dass nur Journalisten auf die angeblich unmögliche Art achten, in der andere Journalisten mit ihrem Publikum umgehen … déformation professionelle nennen das die Romands. Letztlich sind wir alle irrelevant, ob der Kanal nun Blick, Schreinerzeitung oder FAZ heisst. Frölein! Noch ein Bier, bitte.

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